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Ferrer, Vinzenz

geboren 23.1.1350 (Vicente Ferrer) Valencia, gestorben 5.4.1419 Vannes (Bretagne). Sohn des Guillaume, Notars. 1367 Eintritt in den Dominikanerorden, 1458 kanonisiert. Nach einer Vision verliess F. 1398 den Hof des Gegenpapstes Benedikt XIII., um sich als Wanderprediger in den Dienst von Avignon zu stellen. Ab 1399 durchstreifte er die Westalpen und gelangte am Ende des Winters 1404 in die Westschweiz. Nachweislich machte er in Genf, Aubonne, Lausanne, Bern, Freiburg, Murten, Payerne, Romainmôtier, Avenches und Estavayer-le-Lac Station. Gegenstand seiner teilweise erhaltenen Predigten waren die baldige Ankunft des Antichristen, das unmittelbar bevorstehende Jüngste Gericht, die Notwendigkeit, Busse zu tun, sowie die Verurteilung des Wuchers. In Lausanne verfehlten die Predigten ihre Wirkung wahrscheinlich nicht, da die des Wuchers beschuldigten Bruderschaften alsbald aufgelöst wurden. Auch längerfristig blieb die eschatolog. Dimension von F.s Predigten und seine Verdammung der Ketzerei wohl nicht ohne Einfluss auf das geistige und moralische Klima der Alpenregionen, wo sich die dominikan. Inquisition bald verschärfte und die ersten Hexenprozesse eingeleitet wurden.


Literatur
– T. Bardelle, J.-D. Morerod, «La lutte contre l'usure au début du XVe siècle et l'installation d'une communauté juive à Lausanne», in Etudes de Lettres, Nr. 4, 1992, 3-20
– «Sermons de saint Vincent F. à Estavayer-le-Lac en mars 1404, hg. von B. Hodel», in Mémoire dominicaine, 1993, 149-192
– P. Paravy, De la Chrétienté romaine à la Réforme en Dauphiné 1, 1993, 343-355
– K. Utz Tremp, «Ein Dominikaner im Franziskanerkloster», in Zur geistigen Welt der Franziskaner im 14. und 15. Jh., hg. von R. Imbach, E. Tremp, 1995, 81-106
– B. Hodel, «Saint Vincent F. à Aubonne?», in Archivum fratrum praedicatorum 69, 1999, 181-198
– J. Perarnau i Espelt, «Estudis i inventari de sermons de sant Vicent F.», in Arxiu de Textos Catalans Antics 18, 1999, v.a. 63-113

Autorin/Autor: Bernard Andenmatten / EB