Felix V.

geboren 4.9.1383 Chambéry,gestorben 7.1.1451 Genf. Sohn des Gf. Amadeus VII. von Savoyen und der Bonne, Tochter des Johann, Hzg. von Berry, und Nichte von Kg. Karl V. ∞ Marie, Tochter Philipps des Kühnen, Hzg. von Burgund. Die Kindheit von Gf. Amadeus VIII. von Savoyen, dem späteren Papst F., war geprägt von den Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern seiner Mutter und denen seiner Grossmutter, Bonne von Bourbon, welche die Grafschaft regierte. Nachdem der junge Graf 1397 die polit. Mehrheit für sich gewonnen hatte, zentralisierte er den savoy. Staat und vergrösserte dessen Territorium, was Ks. Sigismund 1416 durch die Verleihung der Herzogswürde an Amadeus VIII. und seine Nachkommen bestätigte. 1430 erliess der Herzog die "Statuta Sabaudiae", eine umfangreiche Gesetzessammlung, die den savoy. Staat neu organisieren und das Leben seiner Bewohner v.a. durch Luxusmandate regeln sollte. Auf dem Höhepunkt seiner Macht zog er sich 1434 in seine als Eremitage eingerichtete Residenz Ripaille (Savoyen) zurück. Sein Sohn Ludwig wurde Statthalter des Herzogtums, doch Amadeus VIII. behielt einen Grossteil der Macht.

Seine Distanz zu den weltl. Geschäften sowie sein Ruf als weiser Mann erklären zumindest teilweise die etwas überraschende Entscheidung der Väter des Konzils von Basel, die diesen Laienfürsten, Witwer und Familienvater am 5.11.1439 zum Papst wählten, nachdem sie Eugen IV. abgesetzt hatten. Am 24.7.1440 wurde Amadeus VIII. in Basel zum Papst gekrönt. Er geriet bald in Konflikt mit den Konzilsvätern und kehrte 1442 an die Ufer des Genfersees zurück, wo er auf savoy. Staatsgebiet eine kleinere Obedienz besass. Seiner Abdankung in Lausanne am 7.4.1449 gingen zähe Verhandlungen mit dem röm. Papst Nikolaus V. voraus: F. wurde Kardinallegat in seiner früheren Obedienz, und die Savoyer erhielten wichtige Privilegien wie das Recht zur Besetzung der grösseren Pfründen des Herzogtums sowie zur Verwaltung des Bistums Genf und mehrerer Klöster, darunter Payerne und Romainmôtier. Der aussergewöhnl. Lebensweg von F. wurde früh gegensätzlich beurteilt: Während er in der röm. Tradition als Gegenpapst eingestuft wurde und Ripaille als Ort der Ausschweifung zweifelhafte Berühmtheit erlangte, kamen auch Gerüchte über angebl. Wunder auf, die sich nach der Anrufung des zum Papst erhobenen Herzogs im Chablais ereignet hätten.


Literatur
DBI 2, 749-753
HS I/3, 102 f.; III/2, 453 f., 558-560
Amédée VIII - Félix V, premier duc de Savoie et pape (1383-1451), hg. von B. Andenmatten, A. Paravicini Bagliani, 1992, (mit Bibl.)
– A. Paravicini Bagliani, «Félix V et le cérémonial pontifical», in Fêtes et cérémonies aux XIVe-XVIe siècles, hg. von J.-M. Cauchies, 1994, 11-18
– G. Castelnuovo, Ufficiali e gentiluomini, 1994
Dictionnaire historique de la papauté, 1994, 673 f.
– V. Lieber, «Un poêle du XVe siècle retrouvé en Pays de Vaud et portant les armes d'un pape», in SAHer 113, 1999, 127-141
Enciclopedia dei papi 2, 2000, 640-644
– C. Crisciani, Il papa e l'alchimia: Felice V, Guglielmo Fabri e l'elixir, 2002

Autorin/Autor: Bernard Andenmatten / EM