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Folchardus

Nachweisbar von 849/854 bis 898/899 als Mönch des Klosters St. Gallen. F. (Folchart) bleibt in merkwürdiger Dunkelheit, von Ekkehard IV. in den "Casus" unerwähnt. 858 als Subdiakon bezeugt und spätestens 860 Diakon, war er 869-878 als (Aussen-)Propst im Zürichgau und Thurgau zuständig und spätestens 882 Stellvertreter des Abts (Dekan). Sein Name ist mit der ersten Luxus-Handschrift des Klosters, dem sog. Folchart-Psalter, durch die Inschrift auf den Seiten 26-27 verbunden: "Hunc praeceptoris Hartmoti iussa secutus / Folchardus studuit rite patrare librum" (Dieses Buch hat, den Willen des Lehrers Hartmut befolgend / Folchart nach rechter Art zu vollenden sich gerne bemüht). Trotz der Bezeichnung als praeceptor ist Hartmut hier als Abt gemeint, was die Datierung des Psalters auf die Jahre 872-883 einschränkt. Von F. stammt wohl eher das Konzept der Handschrift als die Schrift oder die Illustrationen. Er und Abt Hartmut sind in der Dedikation auf Seite 12 zu beiden Seiten der Christusbüste im Blätterkelch abgebildet. Die Q-Initiale mit dem eingeschriebenen Kreuz zu Psalm 51 (52), Seite 135, zählt zu den Spitzenwerken spätkaroling. Buchmalerei.


Literatur
– P. Ochsenbein, B. von Scarpatetti, Der Folchart-Psalter aus der Stiftsbibliothek St. Gallen, 1987
– C. Eggenberger, Psalterium Folchardi, 1989

Autorin/Autor: Christoph Eggenberger