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Eggenstorfer, Michael

geboren Konstanz, gestorben 27.1.1552 Schaffhausen. Aus der Konstanzer Fam. E., auch Trinklin genannt. Nach der Profess 1494 im Benediktinerkloster Allerheiligen in Schaffhausen studierte E. an der Univ. Freiburg i.Br. (Baccalaureus Artium). Am 3.9.1501 wurde er als zweitjüngster Mönch zum Abt des Klosters Allerheiligen gewählt. Über 100 Urkunden belegen seine ausgedehnte Verwaltungstätigkeit, die von Käufen, Verkäufen und zahlreichen Rechtshändeln geprägt war. 1504-23 liess er neun Urbare und Rödel über Einkünfte und Leibeigene des Klosters erstellen. Im sog. Allerheiligenkrieg um die Gerichtsbarkeit über Hallau unterstützte E. 1521 die Stadt Schaffhausen gegen den Bf. von Konstanz. 1522 wurde in der zum Kloster gehörenden St.-Anna-Kapelle ein got. Chor errichtet. Aus E.s Bibliothek blieben einige Werke erhalten (Missale, Brevier und Inkunabel mit Predigten von Johannes Tauler). Ab 1520 werden seine humanist.-reformator. Neigungen erkennbar. Er beschäftigte sich mit den religiösen Zeitströmungen, insbesondere mit den Schriften Luthers, empfing einen Brief von Vadian und reformator. Bücher, die ihm der Benediktiner Erasmus Schmid aus Stein am Rhein zustellen liess. Ausserdem stand er in Kontakt mit Schaffhauser Intellektuellen, die der Reformation zugetan waren, wie dem Stadtarzt Johannes Adelphus und Ludwig Oechslin. Am 10.5.1524 schloss die Stadt Schaffhausen mit E. und dem Konvent einen Vertrag ab, wonach das bisher reichsfreie Kloster Allerheiligen in ein Chorherrenstift umgewandelt und der Stadt unterstellt werden sollte. Zwei Monate nach Einführung der Reformation in Schaffhausen hob der Rat am 29.11.1529 das Stift auf. Am 12.12.1529 heiratete E. Agnes Keller (gestorben 1546), eine ehemalige Nonne des Dominikanerinnenklosters Töss, die ihm 1527 und 1528 zwei Söhne geboren hatte. 1534 einigten sich E. und die Stadt über seine Rente. Mit Pfründen ausgestattet lebte er zurückgezogen bis zu seinem Tod im ehemaligen Kloster Allerheiligen.


Literatur
– J. Wipf, «Michael E., der letzte Abt des Klosters Allerheiligen», in Zwingliana 4, 1922, 97-111; 1923, 129-144, 161-173
– B. von Scarpatetti, «Michael E.», in SchBeitr. 58, 1981, 49-61
HS III/1, 1504 f., 1534 f.

Autorin/Autor: Magdalen Bless-Grabher