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Eckhart, Meister

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geboren um 1260 Hochheim (Hessen), gestorben vor 30.4.1328 vermutlich Avignon. Früh in den Dominikanerorden eingetreten und vermutlich noch Schüler von Albertus Magnus, wurde E. nach Studien an der Univ. Paris (1293-94) Prior in Erfurt, wo er die "Reden der unterscheidunge" verfasste. 1302-03 und 1311-13 weilte er als Magister der Theologie an der Univ. Paris. 1303 erfolgte die Wahl zum Provinzial der neu gegr. Ordensprovinz Saxonia. Nach 1313 wirkte E. im Strassburger Raum, v.a. als Seelsorger in Frauenklöstern. In diesem Zusammenhang besuchte er wahrscheinlich ebenfalls die Dominikanerinnenklöster der Ostschweiz. 1326 eröffnete der Kölner Ebf. Heinrich von Virneburg ein Inquisitionsverfahren gegen E., der an den Hl. Stuhl appellierte. In der päpstl. Verurteilungsbulle "In agro dominico" von 1329 sind 28 Artikel aus E.s dt. und lat. Werken aufgelistet, von denen 17 als häretisch verurteilt wurden. Von E. sind über 80 dt. Predigten sowie lat. Schriftkommentare (zu Genesis, Exodus, Buch der Weisheit, Ecclesiasticus, Johannes-Evangelium) erhalten. Die Bibelkommentare sollten zusammen mit einem umfängl. Fragenwerk und über 1'000 Thesen (propositiones) das nur fragmentarisch überlieferte "Opus tripartitum" bilden. E.s neuartige Interpretation des Christentums gipfelt in der Lehre von der Gottesgeburt im Menschen, die als originelle Auslegung der Inkarnation gedeutet werden kann. Unbestreitbar ist E.s Einfluss auf Heinrich Seuse, Johannes Tauler und Nikolaus von Kues.


Literatur
LexMA 3, 1547-1552
– K. Ruh, Meister E.: Theologe, Prediger, Mystiker, 1985
– W. Trusen, Der Prozess gegen Meister Eckhart, 1988
– N. Largier, Bibl. zu Meister Eckhart, 1989
– H. Stirnimann, R. Imbach, Eckardus Theutonicus, homo doctus et sanctus, 1992
– E. Zum Brunn, Voici Maître Eckhart, 1994 (21998)

Autorin/Autor: Ruedi Imbach