18/12/2003 | Rückmeldung | PDF | drucken

Clemens VII.

geboren 1342 (Robert von Genf) Annecy,gestorben 16.9.1394 Avignon. Sohn des Amadeus III., Gf. von Genf, und der Mahaut de Boulogne. 1350 Mitglied der "Familia" seines Onkels Guy de Boulogne, des Kardinal-Bischofs von Porto. Als Franziskaner Stud. an der Sorbonne. Kanzler der Kirche von Amiens, 1360 apostol. Notar, Vertrauter von Papst Innozenz VI. 1361 Ernennung zum Bf. von Thérouanne, 1368 zum Bf. von Cambrai. C. residierte meist am Hof von Avignon. Papst Gregor XI. ernannte ihn 1371 zum Kardinal der Basilika der zwölf Apostel. Er wurde mit zahlreichen Pfründen ausgestattet, u.a erhielt er die Priorate von Etoy, Payerne und Douvaine (Hochsavoyen). 1376 wurde C. von Gregor XI. als Prokonsul in die Romagna und die Lombardei entsandt, um die päpstl. Autorität wieder herzustellen. Ab Mai 1377 hielt er sich in Rom auf und beteiligte sich dort an der Wahl des neuen Papstes Urban VI., der die Nachfolge von Gregor XI. antrat. Die Rechtmässigkeit der Wahl wurde aber angezweifelt und eine Mehrheit der Kardinäle versagte Urban VI. die Gefolgschaft. So kam es am 20. Sept. 1378 zur Wahl von Robert von Genf zum zweiten Papst und damit zum Grossen Schisma. Robert von Genf nahm den Namen C. an und wurde am 31. Okt. 1378 in Fondi in sein Amt eingesetzt. Von Urban VI. zum Gegenpapst erklärt, verliess er Italien und zog am 20. Juni 1379 feierlich in Avignon ein. Frankreich, Savoyen, die span. Königreiche, Irland und Schottland ergriffen rasch für ihn Partei. Zahlreiche Gesandtschaften und sein gewaltsames Vorgehen verschafften ihm die Unterstützung des Königreichs Neapel und der iberischen Halbinsel. C. wurde 1378-83 auch von den Bischöfen von Basel, Lausanne und Genf anerkannt. Er setzte die von seinen Vorgängern verfolgte Politik der grosszügigen Vergabe von Pfründen fort, indem er Vertraute aus dem familiären Umkreis und aus der Heimat privilegierte. Allerdings bildeten Landsleute in seiner direkten Umgebung eine Minderheit. Als sein Bruder Peter von Genf im März 1392 starb, erbte C. die Grafschaft.


Literatur
DBI 26, 222-237
– R.C. Logoz, C. (Robert de Genève), 1974
Dictionnaire historique de la papauté, 1994, 372-378
– R. Delort, «Aux origines du Grand Schisme», in Des archives à la mémoire, 1995, 53-79

Autorin/Autor: Véronique Mariani-Pasche / MF