Châtillon-sur-Glâne

Der Felssporn über dem Zusammenfluss der Saane und der Glane in der Gem. Posieux FR ist seit 1861 als archäologisch bedeutsamer Ort bekannt. Als Erstes fand ein Verteidigungswall, bestehend aus grossen, behauenen Kalksteinblöcken auf einem Hügelrücken, Erwähnung. Die Blöcke ordnete man der Römerzeit oder dem MA zu. Ausserdem wurden Fundgegenstände aus noch älterer Zeit wie geschliffene, neolith. Steinbeile und ein bronzezeitl. Tüllenbeil entdeckt. Diese vereinzelten, nur punktuell gemachten Funde waren von mässiger Bedeutung. Erst 1973 erkannte man, dass C. eine Höhensiedlung aus dem Ende der älteren Eisenzeit war (späte Hallstattzeit, Stufen D2-D3, um die Wende vom 6. zum 5. Jh. v.Chr.). Scherben schwarzfiguriger attischer Keramik, einfarbige graue Keramik, pseudo-ionische Keramik aus Südfrankreich, Amphoren aus Marseille und andere Erzeugnisse aus dem Mittelmeerraum machen C. zu einem wichtigen Ort für die Festlegung des genauen Verlaufs der Nord-Süd-Verbindungen und für das Verständnis der kulturellen Beziehungen zwischen dem Mittelmeerraum und den Kelten nördlich der Alpen.

1974 begannen gründl. Grabungen. Dabei fand man die Substrukturen rechteckiger hölzerner Wohnbauten (Pfostenlöcher, Verkeilsteine, Abdrücke von Balken und Brettern), Abfallgruben mit Überresten vieler Haustierarten sowie Bodenherde für das Zubereiten von Speisen. An Gegenständen aus heimischer Produktion wurden sehr fein geriefte Drehscheibenkeramik, kleine Gegenstände aus Bronze (Fibeln, feine Armreifen, Schmucknadeln, Nähnadeln, Knöpfe, usw.) und aus Eisen, ausserdem Armreifen aus Lignit und Glas sowie Spinnwirteln aus Ton ausgegraben. Die kurze hallstattzeitl. Besiedlung des Ortes fällt in die Zeit zwischen zwei gut dokumentierte hist. Ereignisse, die Schlachten von Alalia (Korsika) 535 v.Chr. und Himera (Sizilien) 480 v.Chr. Man darf annehmen, dass damals ein überaus stark begangener Fernhandelsweg über C. nach Norditalien und zur Adria führte, da der Seeweg ins östl. Mittelmeer durch die Strasse von Messina versperrt war. Einer der Gründe für den Reichtum der Stätte könnte darin liegen, dass Griechenland aufrüstete und sich das für die Herstellung von Bronzewaffen unentbehrl. Zinn beschaffen musste. C. befand sich an einer der Fernstrassen, über die griech. Transportkolonnen das Zinn von der Bretagne und von Cornwall nach Griechenland brachten. Bei dieser Gelegenheit trieben die Griechen Tauschhandel und bezahlten die Dienste der Kelten mit Luxus- und Prestigeprodukten. Zu C. gehören auch die nicht weit entfernt liegenden Grabhügel im Bois de Glâne. Die Karte der Gräber aus der älteren Eisenzeit zeigt, dass diese in einem Radius von rund 2,5 km kreisförmig um C. gestreut sind. Aufgrund ihrer Grösse könnten einige dieser Gräber zur Bestattung von Fürsten gedient und reiche Beigaben enthalten haben. Am Ende der Latênezeit (2.-1. Jh. v.Chr.) war der Bergrücken, nach den wenigen Keramikscherben sowie den Münzen aus Silber (Quinare) und Bronze (Potin-Münzen) zu urteilen, nur noch spärlich besiedelt. Trotz einiger Funde aus der Latène- und aus der Römerzeit kann man nicht von einem kelt. Oppidum oder einem galloröm. Vicus sprechen.


Literatur
– D. Ramseyer, «C., un habitat de hauteur du Hallstatt final», in JbSGUF 66, 1983, 161-188
– H. Schwab, «C. Bilanz der ersten Sondiergrabungen», in Germania 66, 1983, 405-458
– G. Lüscher, «Die Amphorenimporte in C.», in Germania 74, 1996, 337-360
– D. Ramseyer, «C. (Fribourg, Suisse)», in Vix et les éphémères principautés celtiques, 1997, 37-46

Autorin/Autor: Denis Ramseyer / AW