Diegten

Polit. Gem. BL, Bez. Waldenburg. Im Diegtertal gelegenes, rund 2 km langes Strassendorf mit den fünf ehem. Dorfteilen Ober-, Mühle-, Mittel-, Schloss- und Nieder-D. 1152 Dietingoven, 1213 Dietikon, 1342 Dietken, 1671 Dieckten. 1774 431 Einw.; 1850 924; 1900 717; 1950 711; 1960 641; 2000 1'390. Jungsteinzeitl. Einzelfunde auf Ramsenhübel und Rutenrain, bei Letzterem auch bronzezeitl. Siedlungs- und Befestigungsspuren. Röm. Besiedlung im Gebiet Langgarben, Wisechen, Untere Gmeiniweid. Frühma. Gräberfeld bei der auf einem Hügelsporn stehenden Kirche, daneben Burgstelle eines Wohnturms (1703 abgerissen). Sitz der Herren von D., Ifenthal und Eschenz. D. bestand aus zwei Teilen: die Adelsherrschaft D., welche das Niedere D. (bei Kirche und Burg) und Tenniken umfasste, ging 1482 an Basel. Das Obere D. gehörte mit den Burgen auf dem Ränggen zur Herrschaft Eptingen, die 1487 ebenfalls von Basel gekauft wurde. D. war ursprünglich eine selbstständige Pfarrei mit der Kirche St. Peter (1275 erstmals erw.), bis der Kirchensatz 1314 an das Kloster Olsberg überging, das in D. drei Viertel des Zehnten und mehrere Güter besass. 1529 wurde die Reformation eingeführt, wobei D. mit der Pfarrei Eptingen zur ref. Kirchgem. D.-Eptingen vereinigt wurde (seither zwei Kirchen mit einem Pfarrer). Olsberg behielt seinen Besitz bis 1805. Die Gem. teilte sich 1882 in eine Bürger- und eine Einwohnergem.

Bis 1829 herrschte Ackerbau mit Dreizelgenwirtschaft vor. Die von ca. 1720 an als Heimindustrie betriebene Posamenterei (Seidenbandweberei), verbunden mit Kleinlandwirtschaft, geriet nach 1920 in die Krise (1754 25 Bandstühle, 1856 151, letzte Bandstühle bis 1965 in Betrieb). Seit 1917 existiert die Buslinie Sissach-D.-Eptingen. Ab 1920 fanden viele Pendler in Sissach, Zunzgen, Hölstein und Eptingen Arbeit (Karrosserien, Eisenmöbel, Uhren, Mineralwasser). Gleichzeitig fassten vermehrt Handwerks- und Gewerbebetriebe in D. Fuss. 2000 arbeiteten gut zwei Drittel der erwerbstätigen Bevölkerung ausserhalb der Gemeinde. Der 1965 begonnene Autobahnbau brachte tief greifende Veränderungen. Die 1970 eröffnete A2, welche den Gemeindebann durchschneidet und das Dorf in seiner ganzen Länge tangiert, hatte eine Felderregulierung mit Aussiedlungen und eine weitgehende Verlagerung der Landwirtschaft auf die Einzelhöfe zur Folge. Durch die bessere Erschliessung (Autobahnanschluss, verdichteter Fahrplan) setzte in den 1970er Jahren eine grosse Bautätigkeit sowie eine starke Zunahme der Bevölkerung ein. 1971 wurde die Kreisrealschule Diegtertal eröffnet, 1975 eine Berufswahlklasse (auch mit Zunzgen). Dietisberg, ehemaliges Basler Herrschaftsgut mit Sennerei, diente ab 1904 als Arbeiterkolonie (heute Wohn- und Werkheim für obdachlose und suchtkranke Männer).


Literatur
– P. Stöcklin et al., Heimatkunde D., 1996, (mit Bibl.)

Autorin/Autor: Peter Stöcklin