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Andlau, Peter von

geboren um 1420 Andlau (Elsass),gestorben 5.3.1480 Basel. Entgegen manchen Annahmen bleibt unwahrsch., dass er aus der adligen Fam. von A. stammt; das de Andlo kann aufgrund seines eigenen Zeugnisses auch als Herkunftsbezeichnung gedeutet werden: Er spricht von den Herren von A. als den domini mei de Andlo. 1439 immatrikulierte er sich an der Univ. Heidelberg. Ab 1443 studierte er in Pavia klass. Sprachen und v.a. Kirchenrecht, in welchem er auch promovierte. Von 1450 an war er bischöfl. Kaplan am Münster in Basel, später Propst von St. Michael in Lautenbach (Elsass) und auch Kanoniker in Colmar (Elsass). Er nahm eifrig teil an den Gründungsbestrebungen für die Univ. Basel, in deren Matrikeln er 1460 als Dr. der Dekretalen geführt ist. Bis an sein Lebensende war er deren erster Vizekanzler, dreimal Dekan seiner Fakultät und 1471 Rektor. An der jurist. Fakultät war er erster o. Prof. für kanon. Recht und zweiter o. Prof. für röm. Recht. Zwar nicht der Schule der Humanist. Jurisprudenz zuzuordnen, war er doch ein Rechtsgelehrter humanist. Prägung. Neben Vorlesungsnachschriften sind zwei bemerkenswerte Abhandlungen von ihm erhalten: Der "Libellus de Cesarea Monarchia" von 1460 und der "Tractatus de canonicorum saecularium vita" aus den 1470er Jahren. Beide Schriften haben reformer. Charakter. Die erste, eine umfassende Darst. des Staatsrechts des Hl. Röm. Reichs, hat v.a. im 17. Jh. durch drei Druckausgaben (erstmals 1603), z.T. kommentiert, Beachtung gefunden. Paul Laband hat sie in seiner Rektoratsrede (Strassburg 1880) als "Ansatz zur Bildung eines neuen Zweiges der Rechtsliteratur" bezeichnet.


Werke
– «Der Libellus de Cesarea Monarchia von Hermann Peter aus A.», in ZRG GA 12, 1891, 34-103; 13, 1892, 163-219
Literatur
– J. Hürbin, Peter von A., 21897
NDB 1, 276 f.
– G. Scheffels, Peter von A., Diss. Berlin, Ms., 1955
– G. Kisch, Die Anfänge der Jurist. Fakultät der Univ. Basel, 1459-1529, 1962
– E. Bonjour, Die Univ. Basel von den Anfängen bis zur Gegenwart, 1460-1960, 21971
LexMA 1, 597 f.
HRG 3, 1634-1636

Autorin/Autor: Claudio Soliva