• <b>Niklaus von Wyle</b><br>Rechen- und Schachbuch, 1460–1470, des  Niklaus von Wyle (Zentralbibliothek Zürich, Ms. D 116, Fol. 40r). Niklaus von Wyle gilt auch als Verfasser eines in Zürich entdeckten Lehrbuchs für den deutschsprachigen Mathematikunterricht. Neben Dreisatzrechnungen und Anwendungsbeispielen enthält das Werk einen Anhang mit 36 Schachproblemen. Im Bild sind die Diagramme der ersten beiden Aufgaben dargestellt.

Niklaus von Wyle

geboren um 1415 Bremgarten (AG), gestorben 13.4.1479 Stuttgart. 1430 Stud. der Artes in Wien, 1433 Baccalaureus artium. 1439 Lehrer an der Grossmünsterschule in Zürich und notarius der Verwaltung der kirchl. Herrschaft, 1444 Schreiber in Radolfzell, 1447 Ratsschreiber in Nürnberg, 1447/48-69 Stadtschreiber in Esslingen. Ab Dez. 1469 wirkte N. als zweiter Kanzler in der Hofverwaltung der Gf. von Württemberg in Stuttgart. Er gilt als einer der ersten Vertreter eines dt. Humanismus. Seine rege Reisetätigkeit brachte ihm Bekanntschaften mit Adligen und führenden humanist. Gelehrten (wie wohl schon seit 1451 mit Enea Silvio Piccolomini und ab 1459 mit Albrecht von Eyb). 1463 ernannte ihn Ks. Friedrich III. zum Hofpfalzgrafen. N. unterwies schon in Esslingen Privatschüler in Konventionen lat. und dt. Schriftlichkeit, Stilistik, Orthografie, allgemein im Notariatswesen und vermittelte Literatur der ital. Frührenaissance. Er trat v.a. durch seine 1460-78 entstandenen und 1478 als "translatzen", "tütschungen" oder "Translationen" veröffentlichten Übersetzungen lat. und ital. Texte wie Piccolominis "De duobus amantibus", Giovanni Boccaccios "Decamerone" oder auch Poggio Bracciolinis "An seni sit uxor ducenda" hervor. Insgesamt umfasst dieses Lesebuch des Humanismus und Lehrbuch der dt. Sprache 18 Stücke sowie 16 vorangestellte Widmungsbriefe N.s. Er bemühte sich um eine möglichst genaue Nachbildung der lat. Stilmuster und entschied sich im Konflikt zwischen Wörtlichkeit und Verständlichkeit für Letztere. Nebst weiteren Übersetzungen veröffentlichte N. 1464 eine Sammlung von Briefen Piccolominis, die er als Muster des lat. Stils bewunderte.

<b>Niklaus von Wyle</b><br>Rechen- und Schachbuch, 1460–1470, des  Niklaus von Wyle (Zentralbibliothek Zürich, Ms. D 116, Fol. 40r).<BR/>Niklaus von Wyle gilt auch als Verfasser eines in Zürich entdeckten Lehrbuchs für den deutschsprachigen Mathematikunterricht. Neben Dreisatzrechnungen und Anwendungsbeispielen enthält das Werk einen Anhang mit 36 Schachproblemen. Im Bild sind die Diagramme der ersten beiden Aufgaben dargestellt.<BR/>
Rechen- und Schachbuch, 1460–1470, des Niklaus von Wyle (Zentralbibliothek Zürich, Ms. D 116, Fol. 40r).
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Werke
Translationen, hg. von A. von Keller, 1861 (Nachdr. 1967)
Literatur
NDB 10, 602
VL 6, 1015-1035
– F.J. Worstbrock, «Niklas von Wyle», in Dt. Dichter der frühen Neuzeit (1450-1600), hg. von S. Füssel, 1993, 35-50
– R. Forster et al., «Schach im spätma. Zürich», in ZTb 2001, 2000, 43-118

Autorin/Autor: Rüdiger Zymner