• <b>Franz Sigmund Wagner</b><br>Kolorierte Lithografie eines unbekannten Künstlers, um 1820 (Bernisches Historisches Museum, Sammlung Eduard von Rodt). Franz Sigmund Wagner trägt unter seiner Mütze eine Perücke, was auf seine Verbundenheit mit dem Ancien Régime verweist. Die Darstellung zeigt ihn in entspannter Haltung, wie er als Kunstliebhaber eine Zeichnung oder eine Druckgrafik aus der Mappe in seiner Linken begutachtet.

No 4

Wagner, Franz Sigmund

geboren 12.10.1759 Erlach,gestorben 11.9.1835 Bern, ref., von Bern. Sohn des Michael, Hauptmanns, und der Elisabeth Bertram. Ledig. W. entstammte einer verarmten regimentsfähigen Bernburgerfamilie und lebte bereits vor dem frühen Tod seiner Eltern mehrere Jahre im Waisenhaus. Er wurde in versch. Behörden auf den Staatsdienst vorbereitet und 1791 zum Schreiber des Burgerspitals ernannt (bis 1798). Nach dem Ende des Ancien Régime war W. 1800-35 obrigkeitl. Bücherzensor und sass 1808-31 in der Bibliothekskommission. Während der Helvetik pflegte er intensive Kontakte zu Künstlerkreisen in Zürich und liess sich dort in Zeichnen, Stechen und Radieren ausbilden. Seiner Leidenschaft für die Kunst lebte W. später auch in Bern nach: Er publizierte Kunstzeitschriften, handelte mit Kunstobjekten, war Mitglied der Berner Künstlergesellschaft und unterstützte die bern. Regierung beim Aufbau einer Gemäldesammlung, deren Fundament er selbst gelegt hatte. Zudem regte er Kulturinstitutionen wie den Antikensaal und die Kunstbibliothek an. Die Kunst- und Industrieausstellung von 1804 versuchte er in eine dauerhafte Einrichtung zu überführen, leitete auch die Ausstellung von 1810 und war an den Kunstausstellungen von 1818 und 1824 massgeblich beteiligt. W., der sich für die Geschichte der Eidgenossenschaft und des Alten Bern begeisterte, gehörte der 1811 gegr. Geschichtforschenden Gesellschaft Bern an, verfasste hist. Studien und verfertigte Abschriften von Urkunden und Chroniken. 1805 und 1808 wurde ihm die Leitung der Hirtenfeste zu Unspunnen übertragen. 1816-23 amtierte er als Sekr. der Ökonom. Gesellschaft, der er ab 1799 angehörte. W. setzte bemerkenswerte Impulse im kulturellen Leben seiner Zeit und genoss bei seinen Zeitgenossen hohes Ansehen.

<b>Franz Sigmund Wagner</b><br>Kolorierte Lithografie eines unbekannten Künstlers, um 1820 (Bernisches Historisches Museum, Sammlung Eduard von Rodt).<BR/>Franz Sigmund Wagner trägt unter seiner Mütze eine Perücke, was auf seine Verbundenheit mit dem Ancien Régime verweist. Die Darstellung zeigt ihn in entspannter Haltung, wie er als Kunstliebhaber eine Zeichnung oder eine Druckgrafik aus der Mappe in seiner Linken begutachtet. <BR/>
Kolorierte Lithografie eines unbekannten Künstlers, um 1820 (Bernisches Historisches Museum, Sammlung Eduard von Rodt).
(...)


Archive
– Teilnachlässe in: BBB und StABE
Literatur
Slg. Bern. Biogr. 1, 1884, 177-186
– L. Geiger, «"Besser, froher und glücklicher" - Franz Sigmund W. Kunst- und Industrieausstellungen», in Kartoffeln, Klee und kluge Köpfe, hg. von M. Stuber et al., 2009, 143-146

Autorin/Autor: Lukas Geiger