Tecknau

Polit. Gem. BL, Bez. Sissach, im Eital gelegen. Den alten Dorfkern bilden zwei quer zur Talenge stehende Häuserzeilen. Nach 1294 Tekenowe. 1497 23 Einw.; 1680 75; 1774 96; 1850 138; 1900 139; 1950 425; 2000 850. Paläolith. und bronzezeitl. Einzelfunde. Im HochMA homberg.-frohburg. Besitz, gelangte T. durch die Gf. von Thierstein zur Herrschaft Farnsburg und 1461 mit dieser in den Besitz der Stadt Basel. 1798 wurde das Dorf dem helvet. Distrikt Gelterkinden und 1814 dem Bez. Sissach zugeteilt. T. ist nach Gelterkinden kirchgenössig. Neben der Landwirtschaft wurde im Ort vom 18. bis ins 20. Jh. Heimposamenterei betrieben (1754 9 Webstühle, 1786 15, 1856 29, 1908 15). Der Bau des Hauensteinbasistunnels 1912-16 führte durch den Zuzug meist aus Italien stammender Bauarbeiter kurzfristig zu einer Verzehnfachung der Einwohnerzahl. Neue Firmen, Gasthäuser und ein Kino entstanden. Die zuvor abgelegene Talsiedlung erhielt einen eigenen Bahnhof, wodurch die wirtschaftl. Entwicklung nachhaltig gefördert wurde. Eine bedeutende Stellung erlangte die Uhrenindustrie. Nach Aufhebung des Stückgutverkehrs mit der Bahn 1977 blieb T. Sitz von Kleinfirmen im Bereich Handel, Logistik und Transport. Vorübergehend neue Arbeitsplätze brachte 1980-86 die Sanierung des Eisenbahntunnels. Dabei entwickelte sich T. immer mehr zur Wohn- und Pendlergemeinde: Hielten sich 1960 Zu- und Wegpendler die Waage (138 zu 134), überwogen letztere 2000 mit 388 zu 41 deutlich. Die Siedlung dehnt sich entlang der Hauptstrasse und am Hang gegen Wenslingen aus. Der hohe Ausländeranteil (2010 30%) ist v.a. Folge eines relativ grossen Bestands an günstigem Wohnraum in älteren Mehrfamilienhäusern.


Literatur
– H.A. Jenny, Heimatkunde T., 1987
– E. Schmid et al., Die Höhle Bärenloch bei T./Wenslingen, 2001
Bau der Hauenstein-Basislinie Sissach-Olten 1912-1916, hg. von H. Spinnler, L. Coletti, 2013

Autorin/Autor: Stefan Hess