• <b>Johann Martin Usteri</b><br>Entwurf für eine Würdigung. Zeichnung von  David Hess   für das "Malerbuch" der Zürcher Kunstgesellschaft, 1832 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv). Als enger Freund Usteris sammelte und sortierte Hess den künstlerischen Nachlass seines Freundes und gab ihn 1831 unter dem Titel "Dichtungen in Versen und Prosa" heraus. Über der stimmungsvollen Hommage steht: "Vorsteher und Seele der zürcherischen Kunstgesellschaft, unvergesslich als Mensch, Dichter und Künstler."

No 7

Usteri, Johann Martin

geboren 12.4.1763 Zürich, gestorben 29.7.1827 Rapperswil (SG), ref., von Zürich. Sohn des Hans Martin ( -> 5). Bruder des Paulus ( -> 14). Cousin von Leonhard ( -> 9) und Paul ( -> 11). ∞ 1786 Anna Katharina Stockar. Ausbildung zum Kaufmann. Zeichenunterricht bei Valentin Sonnenschein an der Zürcher Kunstschule. Auf einer Bildungsreise durch Europa 1783-84 zeigte sich U.s Interesse für Geschichte, Kunst und Literatur und schlug sich in zahlreichen Zeichnungen mit Kostüm-, Architektur- und Heraldikstudien nieder. Nach der Rückkehr trat U. in das Textilunternehmen seines Vaters ein, zog sich jedoch 1804 aus dem Geschäftsleben zurück und widmete sich fortan der Zeichnung, Dichtung und Erforschung von MA und früher Neuzeit. 1803-27 war er Präs. der 1787 von seinem Onkel Heinrich gegr. Zürcher Künstlergesellschaft und 1806 massgeblich an der Gründung der Schweiz. Künstlergesellschaft beteiligt. 1803 wurde U. in den Grossen, 1815 in den Kleinen Rat gewählt, gehörte ab 1806 dem Erziehungsrat, ab 1810 dem Zürcher Stadtrat an und war dort Seckelmeister.

U. war in Anlehnung an Salomon Gessner die Verkörperung eines Künstler-Dilettanten, der gleichermassen als Zeichner, Dichter und Sammler Bedeutung erlangte. Bereits 1781 erschienen seine Illustrationen zu Johann Jakob Bodmers "Hist. Erzählungen". Mit der 1794 eingeführten Tradition der Zürcher Malerbücher, zu denen jedes Mitglied der Zürcher Kunstgesellschaft ein Aquarell, eine Gouache oder eine Zeichnung aus eigener Hand oder solche eines Künstlerkollegen stiften sollte, legte er den Grundstock zur heutigen Kunsthaussammlung. Nationale Bedeutung bekam seine Sammlung schweiz. Glasgemälde, die nach seinem Tod nach Deutschland verkauft und 1894 vom Schweiz. Landesmuseum zum grossen Teil zurückersteigert wurden. Zudem war U. Sammler hist. Quellen, besonders ma. Sagen, Märchen und Legenden. Als Dichter des Volkslieds "Freut Euch des Lebens" (1793) und von Idyllen in zürichdt. Hexametern "De Vikari" und "De Herr Heiri" (1807-10) erfreute er sich bei Autoren und Leserschaft des Biedermeier grosser Beliebtheit. 1831 gab sein Freund David Hess postum U.s "Dichtungen in Versen und Prosa" heraus, in denen auch die 1990 neu edierte Verserzählung "Der Mahler" enthalten ist.

<b>Johann Martin Usteri</b><br>Entwurf für eine Würdigung. Zeichnung von  David Hess   für das "Malerbuch" der Zürcher Kunstgesellschaft, 1832 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).<BR/>Als enger Freund Usteris sammelte und sortierte Hess den künstlerischen Nachlass seines Freundes und gab ihn 1831 unter dem Titel "Dichtungen in Versen und Prosa" heraus. Über der stimmungsvollen Hommage steht: "Vorsteher und Seele der zürcherischen Kunstgesellschaft, unvergesslich als Mensch, Dichter und Künstler."<BR/>
Entwurf für eine Würdigung. Zeichnung von David Hess für das "Malerbuch" der Zürcher Kunstgesellschaft, 1832 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).
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Archive
– ZBZ, Nachlass
Literatur
BLSK, 1058 f.
– Kosch, Deutsches Literatur-Lex. 25, 38-40

Autorin/Autor: Anna Katharina Bähler