03/11/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Oltingen

Polit. Gem. BL, Bezirk Sissach. Das Dorf liegt am Fusse des alten Passübergangs über die Schafmatt ins Mittelland. 1244 Oltingen. 1850 563 Einw.; 1900 469; 1950 437; 2000 405. Einzelfunde aus dem Frühmesolithikum und Neolithikum im Gebiet der Schafmatt. Spuren römerzeitl. Besiedlungen in den Gebieten Barmen und Wolberg. Die im MA längs der Ergolz verlaufende Gaugrenze zwischen Sisgau und Frickgau trennte das Dorf in zwei Teile. Die östl. Hälfte gehörte zur Herrschaft Kienberg, die westl. Hälfte zur Herrschaft Thierstein. 1684 kamen beide Teile zur Herrschaft Basel (Amt Farnsburg), ab 1814 gehörte O. zum Bez. Sissach. Die 1296 erstmals erw. Kirche St. Nikolaus, deren Vorläuferbauten möglicherweise bis ins 9. Jh. zurückreichen, wurde 1441 dem Domstift Basel inkorporiert. Nach der Reformation gelangte das Patronatsrecht 1528 an die Stadt Basel. Kirchlich umfasst die Kirchgemeinde O. die Dörfer Wenslingen und Anwil. O. wird geprägt durch den Verlauf der hist. Strassen nach Wenslingen, Anwil und über den alten Passübergang, der bis ins 17. Jh. für den regionalen Handelsverkehr benutzt wurde. Die Herrengasse führt zur ausserhalb liegenden ummauerten Kirchensiedlung mit Pfarrhaus, Pfarrscheune, Beinhaus, Kirche und Friedhof. In der Kirche befindet sich ein bedeutender spätgot. Bilderzyklus. Bis heute sind mehrere stattliche spätma. Steinbauten erhalten, neben Bauernhäusern u.a. auch zwei Mühlen und das vermutlich vom Untervogt erbaute Grosse Haus, die zusammen mit den Vorgärten und Hausplätzen den Strassenraum prägen. Deshalb wurde O. vom Bund als Ortsbild von nationaler Bedeutung eingestuft. Bis ins 21. Jh. bewahrte das Dorf die landwirtschaftl.-gewerbl. Struktur. 2005 gehörten noch fast 70% der Arbeitsplätze zum 1. Sektor, 2000 waren fast 68% der Erwerbstätigen Wegpendler.


Literatur
Kdm BL 3, 1986, 163-204
– R. Marti, Zwischen Römerzeit und MA, 2 Bde., 2000, 203 f.
IVS Dok. BL 13, 2
Heimatkunde O., 2008

Autorin/Autor: Brigitte Frei-Heitz