Octodurus

Hauptort der Veragrer, von der Dranse durchflossen, in der Ebene von Martigny am Ausgangspunkt der Passroute zum Grossen Sankt Bernhard gelegen. 57/56 v.Chr. schickte Caesar die von Servius Sulpicius Galba kommandierte 12. Legion zur Überwinterung nach O. Diese bezog an einem Ufer ihr Lager und warf die Einheimischen auf das andere zurück ("De bello gallico" III, 1-6). Nach einigen Tagen griffen die Einheimischen das Lager an. Gemäss Caesar errangen die Römer den Sieg, zogen sich aber trotzdem zurück, nachdem sie den Ort angezündet hatten. Rom verlor für mehrere Jahrzehnte die Kontrolle über den Pass. Der vicus von O., der bis heute nicht lokalisiert worden ist (in der Nähe des um 50 v.Chr. erbauten einheim. Tempels?), wurde zugunsten des Forum Claudii Vallensium (41-47 n.Chr.) aufgegeben; sein Name diente fortan der Bezeichnung der neuen Stadt. Im spätröm. Reich dominierte der Name O., insbesondere in den "Notitiae". 381 wurde der Bf. Theodor (oder Theodul) episcopus Octodorensis genannt. 1177 ist der Name im Zusammenhang mit der Pfarrkirche zum letzten Mal bezeugt.


Literatur
RE 17,2, 1868-1877
– M. Tarpin, «César et la "Bataille d'Octodure», in Ann. val. 62, 1987, 241-249
– A. Hamon, «Octodure», in Ann. val. 69, 1994, 235-244

Autorin/Autor: François Wiblé / ASCH