22/01/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Munzach

Röm. Gutshof und abgegangene Siedlung in der Gem. Liestal. Die am Schnittpunkt des Bienen- und des Röserntales, am Rande des Ergolztales errichtete röm. Villa (1. Hälfte 1. Jh.-4. Jh.) liegt eine Wegstunde südlich von Augusta Raurica entfernt. Bei der Neufassung einer Quelle 1950 wurden Fundamente eines röm. Gebäudes (Bad, Quellheiligtum oder Memorie?) entdeckt. Der Gutshof von M., der bis 1974 nahezu in seiner ganzen Ausdehnung archäologisch untersucht worden ist, gehört mit ca. 160 x 320 m zu den grössten röm. Villen in der Schweiz: langgestrecktes Herrenhaus (mind. zehn Räume) mit Ostportikus, grosszügig mit Mosaiken ausgestattet; im Winkel nach Osten (mit Nordportikus) angebaut Badetrakt, Hallenbauten und Wirtschaftsräume; Ökonomiebauten (mind. acht) entlang der nicht vollständigen südl. und nördl. Hofummauerungen. Die wichtigsten der zentralen Bauten sind erhalten. Die Grabungsergebnisse wurden bisher nur unvollständig publiziert.

Funde der Merowingerzeit auch im Hauptgebäude der Villa lassen auf eine Siedlungskontinuität schliessen. Das ma. Dorf (kurz vor oder um 800 Monazacha, 825 Monciacum) mit seiner Laurentiuskirche (anstelle des erwähnten röm. Gebäudes bei der Quelle) lag auf dem Areal der Villa. Die Funde weisen auf ein Verlassen der Siedlung im Laufe des 13. Jh. hin (ähnl. wie die Wüstung Lausen-Bettenach), wohl im Zusammenhang mit der Erhebung Liestals zur Stadt. Räumlich abgesondert, 500 m in westl. Richtung, bestand zwischen ca. 800 und der Mitte des 12. Jh. eine Siedlung, in der Eisenerz verhüttet und das Eisen weiterverarbeitet wurde. Auch Buntmetall- und Glasverarbeitung sind nachgewiesen. Ein Zusammenhang dieser Siedlung mit der Schenkung Upperts an das Kloster St. Gallen (825) ist nicht auszuschliessen. Die Kirche St. Laurentius blieb nach der Auflassung des Dorfes (wie auch St. Nikolaus in Lausen-Bettenach) bestehen. Im Liestaler Jahrzeitbuch treten die beiden Kirchen zusammen mit St. Martin in Liestal mitunter auch als Kirchentrias auf. Als Stifter finden sich, neben Mitgliedern der Grafenfamilie der Frohburger, v.a Personen aus deren Umfeld. Der Kirchensatz von M. lag in den Händen der Frohburger, die ihn an die Herren von Schauenburg verliehen. Nach deren Aussterben gelangte er an Thomas Falkenstein, der das Lehen an Henmann von Offenburg vergab. Um 1640 gelangte es an die Stadt Basel. Die Bedeutung der Kirche St. Laurentius war nurmehr marginal: 1753 wurde noch einmal pro Jahr gepredigt, 1763 siedelte der Pfarrer nach Frenkendorf über und 1765 wurde die Kirche abgebrochen.


Literatur
– R. Jansen, M., Frenkendorf, Füllinsdorf, 1976
– W. Drack, R. Fellmann, Die Römer in der Schweiz, 1988, 430-434
– J. Tauber, «Zum Stand der Eisenarchäologie im Kt. Baselland», in Archäolog. Informationen 16, 1993, 243-251
– R. Marti, Zwischen Römerzeit und MA., 2 Bde., 2000

Autorin/Autor: Jürg Tauber