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Schiller, Friedrich

geboren 10.11.1759 Marbach am Neckar (Württemberg),gestorben 9.5.1805 Weimar, prot., aus Württemberg, 1792 Ehrenbürger der Franz. Republik. Sohn des Johann Kaspar, Wundarztes, und der Elisabeth Dorothea Kodweiss. ∞ 1790 Charlotte von Lengefeld. Stud. der Medizin an der Hohen Karlsschule in Stuttgart, Regimentsmedikus im Dienst des württemberg. Herzogs, nach der Publikation des Stücks "Die Räuber" 1782 Flucht nach Mannheim. Theaterautor in Mannheim, später in Leipzig. 1789-91 Prof. für Geschichte an der Univ. Jena, danach Schriftsteller und Herausgeber von literar. Zeitschriften, 1799-1805 in Weimar. Autor von Balladen auch aus der Schweizer Geschichte sowie von Dramen, darunter 1804 dem Schauspiel "Wilhelm Tell". Der junge S. hatte durch den Mund des Räubers Spiegelberg Graubünden als "das Athen der heutigen Gauner" bezeichnet und damit in Graubünden eine Pressepolemik ausgelöst. In den 1790er Jahren rezipierte er die Schweiz als Hort der Freiheit in erhabener Natur. Zur Zeit der Helvetik, in der der Tellstoff antagonistisch ausgelegt wurde, machte S., der Johannes von Müllers "Geschichten der schweiz. Eidgenossenschaft" und Aegidius Tschudis "Chronicon Helveticum" als Quellen benutzte, seinen "Wilhelm Tell" zu einem naturrechtlich wie in der Natur der schweiz. Alpenwelt begründeten Drama des legitimen Widerstands gegen jede Art von Tyrannei. Seine Kenntnisse über die Innerschweizer Landschaft bezog er aus Gesprächen mit seinem Freund Johann Wolfgang von Goethe sowie u.a. aus Karl Viktor von Bonstettens "Briefen über ein schweiz. Hirtenland" und Johann Gottfried Ebels "Schilderung der Gebirgsvölker der Schweiz". Im Zuge der S.-Begeisterung des 19. Jh. beschlossen die Urkantone zu S.s 100. Geburtstag, den obeliskförmigen Stein am Eingang des Urnersees in ein S.-Denkmal umzuwandeln. 1905 entstand auf Anregung Hans Bodmers in Zürich die Schweiz. Schillerstiftung, die einen Literaturpreis für alle vier Sprachregionen der Schweiz ausrichtet. 1802 geadelt.


Werke
S.s Werke, Nationalausg., 1943-
Archive
– Dt. Literaturarchiv, Marbach, Nachlass
Literatur
S.-Hb., hg. von H. Koopmann, 1998
– U. Hentschel, Mythos Schweiz, 2002
– B. Piatti, Tells Theater, 2004
NDB 22, 759-763

Autorin/Autor: Rosmarie Zeller