Itingen

Polit. Gem. BL, Bez. Sissach, im mittleren Ergolztal gelegen. Der alte Dorfkern, eine rechtwinklig zur Landstrasse liegende Doppelzeile, befindet sich links der Bahnlinie Basel-Olten. 1226 Utingen, 1454 Uetingen. 1680 161 Einw.; 1743 211; 1798 275; 1850 500; 1900 559; 1950 644; 2000 1'659. Der Ortsname weist auf den alemann. Ursprung der Siedlung hin, die aber nicht mit dem abgegangenen Nachbardorf Itkon auf der rechten Seite der Ergolz (Gem. Sissach) verwechselt werden darf. In der ersten urkundl. Erwähnung 1226 wird ein Gerardus de Utingen genannt, was auf eine Grundherrschaft schliessen lässt. Als Folge von Vergabungen an Klöster (Olsberg, Schönthal, Rotes Haus) und Orden (Beuggen) zerfiel diese bald, doch nannte sich ein zwischen 1367 und 1492 fassbares Basler Achtburgergeschlecht nach I. Im 15. Jh. war das Dorf im Besitz der Herren von Eptingen, 1467 wurde es mit allen Rechten an die Stadt Basel verkauft und dem weitläufigen Farnsburgeramt zugeteilt. Ab 1798 gehörte das Dorf zum Distrikt Gelterkinden, 1814 wechselte es zum Bez. Sissach. Vor der Reformation besass I. eine Kapelle, gehört aber seit jeher kirchlich zu Sissach. Im 18. und 19. Jh. lebte I. hauptsächlich von der Landwirtschaft und der heimindustriell betriebenen Seidenbandweberei (1770 20 Bandstühle, 1908 86). Die Genossenschaft der Seidenbandweber betrieb 1917-22 in I. eine eigene Bandfabrik. Seither arbeiten zunehmend mehr Erwerbstätige auswärts, zumal sich I. dank der guten Verkehrslage (1925 Bahnstation, 1970 Autobahnanschluss) zu einem bevorzugten mittelständ. Wohnort mit neuen Quartieren in der Talebene und am gegenüberliegenden Sonnenhang entwickelt hat. Die grössten Arbeitgeber waren Ikea (Verteilzentrum), Renata AG (Batterien) und RCC (Forschung), 2006 beschäftigten sie insgesamt 1'025 Personen.


Literatur
– L. Freivogel, Die Landschaft Basel in der zweiten Hälfte des 18. Jh., 1893, 71-73
– P. Suter, Beitr. zur Landschaftskunde des Ergolzgebietes, 1926 (21971)
– P. Suter, Die Gemeindewappen des Kt. Baselland, 1952, 89 f. (41984)
Heimatkunde I., 2002

Autorin/Autor: Dominik Wunderlin