No 2

Schaffner, Jakob

geboren 14.11.1875 Basel, gestorben 25.9.1944 Strassburg, ref., von Buus. Sohn des Jakob, Gärtners, und der Emilie geb. Müller, Deutsche. ∞ 1) 1908 Frieda Barth, Deutsche, 2) 1916 Julia Cuno, Deutsche, 3) 1944 Marga Bissegger, Studentin. Nach dem frühen Tod des Vaters kam S. zum Grossvater nach Wyhlen (Baden, D), später wurde er in die pietist. Anstalt Beuggen eingewiesen. Seinen dortigen Aufenthalt beschrieb er in seinem bedeutendsten Roman "Johannes" (1922). Nach einer Schuhmacherlehre und einigen Jahren als Wandergeselle in Deutschland ab 1893 kehrte er in die Schweiz zurück, wo er in seinem Beruf arbeitete, Vorlesungen besuchte und schrieb. 1905 publizierte der dt. S.-Fischer-Verlag den Roman "Irrfahrten". Es folgte der Roman "Konrad Pilater" (1910), in dem er das Schicksal kleinbürgerl. Menschen darstellte. Ab 1911 lebte der viel gelesene und mit Auszeichnungen bedachte S. in Deutschland. Er begeisterte sich für den Nationalsozialismus, ohne Parteimitglied der NSDAP zu werden. 1940 gehörte er zu den Vertretern der Nationalen Bewegung der Schweiz, die von Bundesrat Marcel Pilet-Golaz empfangen wurden. S. stellte sein Werk (u.a. "Volk zu Schiff" 1936) in den Dienst seines nationalsozialist. Engagements, gleichzeitig wollte er der Schweiz treu bleiben. Diesen Zwiespalt thematisierte er literarisch vielgestaltig. In der Schweiz galt S., der 1944 bei einem Bombenangriff ums Leben kam, als Landesverräter. Seine Heimatgemeinde Buus weigerte sich zunächst, die sterbl. Überreste auf ihrem Friedhof zu bestatten. Sein Frühwerk stösst in jüngster Zeit wieder auf Interesse.1908 Ehrengabe der Schweiz. Schillerstiftung, 1922 Gottfried-Keller-Preis, 1930 Grosser Schillerpreis der Schweiz. Schillerstiftung.


Archive
– UBB
Quellen
"Es ging am Anfang nicht leicht mit uns": Hermann Hesse und Jakob S. im Briefwechsel, 1905-1933, hg. von C. Wamister, 2009
Literatur
– M. Crabtree, Jakob S., 1977, (mit Werkverz.)
– H. Bänziger, «Literar. Konsequenzen einer nationalist. Utopie», in Autoren damals und heute, hg. von G.P. Knapp, 1991, 489-512

Autorin/Autor: Hans Bänziger