Selnau

Ehem. Zisterzienserinnenkloster vor der ma. Stadtbefestigung Zürichs. Adelheid von Küssnacht schenkte 1256 den Schwestern von Neuenkirch ein Gut in S., zwischen der Sihl und der Landstrasse in die Enge. Der Leutpriester von St. Peter stiftete einen Acker, um darauf Kirche (Marienpatrozinium 1273 erw.), Kloster und Friedhof zu errichten. Der Konvent sollte einen eigenen Kaplan haben und Opfer entgegennehmen dürfen. Auch eine Schwesterngruppe von St. Peter trat dem Kloster bei. Zunächst galt die Augustinerregel; ab 1260 wurde S. vom Abt des Zisterzienserklosters Wettingen betreut und unterstand diesem ab ca. 1266. Der Kern der Besitzungen lag in Wiedikon und Leimbach (hier befand sich auch der Kirchensatz von St. Gilgen, der 1400 dazu kam), sowie in der Region. Die Schwestern kamen von wenigen Ausnahmen abgesehen aus der Umgebung oder aus der Stadt Zürich. Im 15. Jh. gelangte S. zunehmend unter die Aufsicht des Zürcher Rats. 1525 wurde das Kloster, in dem noch 21 Klosterfrauen lebten, aufgehoben. Das inventarisierte Klostervermögen ging an das Spital. 1767 verschwanden die letzten baulichen Reste. 1998 entdeckte die Denkmalpflege Reste der Kirche an der Selnaustrasse 18 und 20.


Archive
– StAZH, Spitalarchiv
Literatur
HS III/3, 893-904
– A. Hohl, «Die religiöse Frauenbewegung des MA und Zürich», in ZTb 1987, 1986, 1-16
– D. Wild, «Klostermauern in Leitungsgräben», in Stadt Zürich, Archäologie und Denkmalpflege, 2003-2006, 32-35 (ZBZ)

Autorin/Autor: Agnes Hohl