Jorat

Molassehügelland zwischen den Kantonen Waadt und Freiburg, zum grossen Teil bewaldet und mit oft umstrittenen Grenzen. 1140 Jurat. Der J. erstreckt sich ungefähr von Lausanne im Süden bis Moudon (oder Granges-près-Marnand) im Norden, von Echallens im Westen bis Oron im Osten. Er wird von mehreren Strassen durchquert, deren wichtigste die Verbindung Lausanne-Bern ist. Auch die ehem. Eisenbahnlinie Lausanne-Moudon führte durch den J. Der J. bildet keine polit., administrative oder hist. Einheit. Seit der Antike führen Durchgangswege zwischen Lausanne und dem Broyetal durch den J. Als der Bischofssitz im 7. Jh. nach Lausanne verlegt wurde, wuchs die Bedeutung der Region. Ab dem 9. Jh. entstanden durch intensivere Rodungen neue Gebiete für Viehzucht, insbesondere durch das Wirken der Zisterzienserabteien von Hautcrêt und Montheron. Vom 14. Jh. an breitete sich die Streusiedlung als neue Siedlungsform aus. 1497 wurde das Karmeliterkloster Sainte-Catherine du J. gegründet. Der ganze J. gehörte zum Königreich Burgund und nach dessen Auflösung 1032 zum Gebiet des Bistums Lausanne. Später folgte eine Dreiteilung in den J. von Palézieux, den J. von Echallens und den J. des Bischofs. Im Nordosten wurde der J. von Palézieux gegen Mitte des 12. Jh. von ebendieser Herrschaft erworben und 1298 dem Herrn der Waadt Ludwig I. von Savoyen verkauft. Dieser gab das Gebiet 1300 ans Bistum Lausanne zurück. 1340 zwangen Streitigkeiten um die Nutzungs- und Weiderechte zwischen den Kolonisten von Hautcrêt (Essertes, Châtillens, Les Tavernes) und den Bewohnern von Lavaux den Bischof, die Region in den Petit-J. (für Erstere) und den Grand-J. (für Letztere) aufzuteilen. Der Grand-J. blieb in der Zeit der Berner Herrschaft ein Konfliktherd zwischen Villette (Lavaux), Lutry und den Dörfern der Region Mézières (VD). 1640 bemächtigte sich Villette des Petit-J., den es 1775 teilweise zurückerstattete. Im Westen ging der J. von Echallens im 12. Jh. als Lehen an die Goumoëns, 1476 wurde er von Bern und Freiburg erobert. Im Zentrum gehörte der bischöfl. J. zu Beginn des 15. Jh. zu einem Drittel der Abtei Montheron, die ihn 1426 den Gem. Corcelles-le-J. und Ropraz verpachtete, und zu zwei Dritteln den Goumoëns, 1427 dann den Cerjat, ab 1540 Moudon und ab 1602 Lausanne, das ihn Bern abtrat. Da die Gemeinden mit ihren zahlreichen Nutzungsrechten die Wälder stark zu schädigen drohten, mussten diese ab dem 18. Jh. von der bern. Obrigkeit wirksam geschützt werden. Vom MA bis ins 18. Jh. griffen im J. immer wieder Räuberbanden die Reisenden an. Der J. ist eine nach wie vor sehr schwach industrialisierte Region, in der v.a. Viehzucht betrieben wird.


Literatur
– C. Biermann, «Le J.», in Bull. de la Société neuchâteloise de géographie, 1910, 5-116
– G. Nicolas, «Trois et autres J.s», in Le J. d'antan, 1982, 51-60
– A. Radeff, Vie et survie des forêts du J., 1991

Autorin/Autor: Olivier Frédéric Dubuis / CN