22/10/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Madonna del Sasso

Wallfahrtsort mit Kirche, Sacro Monte und Kloster oberhalb von Locarno in der Gem. Orselina auf einem z.T. terrassierten Felssporn. M. wurde vom Franziskaner Bartolomeo Piatti aus Ivrea an der Stelle gegründet, wo ihm der Legende nach 1480 die Muttergottes erschienen war. Schon kurze Zeit später wurde der Ort zum Ziel von Pilgerreisen, und dank zahlreicher Schenkungen konnte der Bau des Wallfahrtsorts in Angriff genommen werden. 1487 wurden die Kapellen S. Maria Avvocata und Pietà geweiht (Letztere später ins Kloster integriert), 1502 die Kirche S. Maria Annunziata am Fuss des Sacro Monte in der Gem. Muralto. Die 1616 geweihte obere Kirche S. Maria Assunta, genannt M., entstand vermutlich aus einer Erweiterung der Avvocata-Kapelle. Das Kloster, das sich aus der im 15. Jh. entstandenden „Casa del padre“ entwickelte, wurde mehrfach erweitert und umgebaut. Der im 17. Jh. nach lombard. Vorbild erbaute Sacro Monte ist nur teilweise erhalten.

Am Ende des 16. Jh. erlebte der Wallfahrtsort einen Niedergang. Nach baul. Veränderungen und der ständigen Zunahme der Zeichen der Verehrung erfuhr M. Ende des 17. Jh. seine grösste Blüte. Die abnehmende Zahl der Mönche, deren Armut und der Zerfall der Gebäude führten am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jh. zu einer schweren Krise. 1848 hoben die kant. Behörden das Kloster auf und zogen dessen Güter ein. Sie quartierten einige Kapuziner ein, denen sie 1852 die Verwaltung übertrugen. Unter deren Aufsicht entstanden um 1890 grosse Erweiterungsbauten, wobei auch die alte Struktur verändert wurde. Zu weiteren baul. Veränderungen kam es 1912, 1920-24 und 1974-80. Die Zahl der Ordensbrüder (8 im Jahr 2006) wuchs wieder, und der Ort gewann als Ziel von Wallfahrten über die Kantonsgrenzen hinaus an Bedeutung. 1919 erhielt die Kirche den Titel einer Basilica minor, 1949 fand eine grosse Feier zu Ehren der Pilgermadonna statt. In M. sind bedeutende Kunstwerke aufbewahrt, so Bramantinos "Flucht nach Ägypten" von ca. 1520 und Antonio Ciseris "Grablegung Christi" von 1864-70. Zu M. gehört auch ein Museum mit zahlreichen Votivbildern, eine reichhaltige Bibliothek mit alten Werken und ein Archiv.


Literatur
Kdm TI 1, 1972, 418-477
HS V/1, 451-458; V/2, 846-850
La M. tra storia e leggenda, hg. von G. Pozzi, 1980
Kunstführer durch die Schweiz 2, 2005, 591-593

Autorin/Autor: Daniela Pauli Falconi / CN