17/10/2002 | Rückmeldung | PDF | drucken

Bigorio

Kapuzinerkloster und Kirche S. Maria Assunta (1078 Sancta Maria de Albigorio) oberhalb der gleichnamigen Fraktion der polit. Gem. Sala Capriasca. Bis 1888 Diözese Como, dann apostol. Administration des Kt. Tessin, ab 1971 Diözese Lugano. Ordensprovinz Mailand. Das 1535 von den Fratres Pacifico Carli von Lugano und Ludovico Filicaia von Florenz gegr. Kloster war der erste Kapuzinerkonvent auf Schweizer Boden und der vierte des Ordens in der Lombardei; die Ordensprovinz hielt in B. zwischen 1542 und 1557 sechs Generalkapitel ab. 1565 richteten sich einige Brüder aus B. im kurz zuvor gegr. Konvent von Sorengo ein. Die alte Marienkirche (Bau des 13. Jh.) war bis zur Ankunft der Kapuziner von S. Stefano in Tesserete abhängig; sie wurde 1577 von Karl Borromäus als Klosterkirche geweiht. In der Kirche befindet sich eine kostbare Altartafel der Madonna mit Kind aus der Renaissance, nach der Überlieferung ein Geschenk des Hauses Savoyen an die Mönche. Die Kreuzwegstationen stammen von 1797. Das Kloster war lange Zeit spärlich ausgestattet: 1567 wohnten 6 Mönche in 11 aus Weidenruten und Lehm gefertigten Zellen; 1688 waren es 21 Zellen. Das bestehende Gebäude wurde 1760-67 nach Entwurf des Architekten Giuseppe Salvatore Caresana von Cureglia vom Baumeister Bruder Angelo Maria da Cologno ausgeführt. Im ausgehenden 18. Jh. und in der 1. Hälfte des 19. Jh. nahm die Zahl der Mönche stark ab (5 Mönche 1809). Grund waren die Unterdrückung und Einkerkerung, von welcher in dieser Zeit alle religiösen Vereinigungen betroffen waren. 1888-98 beherbergte das Kloster das später nach Faido verlegte Novizenseminar Serafico. Infolge Nachwuchsmangels und mit der allg. Verweltlichung verlor B. allmählich an Bedeutung. In neuester Zeit hat es als für alle offener Ort der Spiritualität, der menschl. und religiösen Bildung wieder vermehrt Beachtung gefunden.


Literatur
HS V/2, 803-820
– G. Pozzi, S. Maria del B., 1977
– R. Quadri, «Il B. e i suoi frati», in Valli di Lugano, hg. von F. Zappa, 1990, 53-70

Autorin/Autor: Antonio Gili / GG