Magdenau

Zisterzienserinnenabtei in der Gem. Degersheim SG. 1228 errichteten die Bürger Berchtold Kuchimeister und Ulrich Blarer eine Beginensiedlung in St. Gallen. Diese wurde 1244 nach M. transferiert, nachdem Rudolf Giel von Glattburg, ein Ministeriale des Abts von St. Gallen, und dessen Gemahlin Gertrud der Gemeinschaft Patronatsrechte und Vogtei der Kirche St. Verena in M. sowie einige Höfe im Gebiet des heutigen Klosters geschenkt hatten. Im selben Jahr verpflichtete der Konstanzer Bischof die Beginen auf die Benediktsregel und die Satzungen des Zisterzienserordens. 1250 erfolgte die Inkorporation in den Filialverband des Ordens; spätestens ab 1261 war M. Tochterkloster der Zisterzienserabtei Wettingen. Die geistl. und rechtl. Verbindung mit Wettingen blieb auch bestehen, als der Sitz der Abtei nach ihrer Aufhebung 1841 nach Mehrerau übertragen wurde. Bis in die 2. Hälfte des 14. Jh. entstammten die Äbtissinnen M.s weitgehend dem Ministerialadel der Ostschweiz; danach finden sich auch Bürgerstöchter v.a. aus Konstanz, Wil (SG), Rapperswil (SG) und St. Gallen. Ende des 14. Jh. besass M. seinen grössten Besitzstand, wozu die Gerichtsherrschaften von M. und Wolfertswil gehörten. 1388 zählte der Konvent 50 Schwestern. Rückschläge erlitt das Kloster in der Reformation, 1529-32 kam es zu einer Unterbrechung des klösterl. Lebens. Nach der Wiedererstarkung des Klosters an der Wende vom 16. zum 17. Jh. erlebte M. im 17. Jh. eine Blütezeit, die ihren Ausdruck im Bau der heutigen Klosteranlage (Neubau der Klosterkirche 1953) und 1662 in der Translation der Katakombenheiligen Theodora nach M. fand. 1798 verlor M. die Gerichtshoheit; das Klostervermögen wurde zu Staatsgut erklärt und Güter und Zinsrechte verkauft. Entgegen der 1835 erhobenen Forderung des Kt. St. Gallen errichtete M. keine Mädchenschule. Als Ersatz waren hohe Steuern zu bezahlen, was zu weiteren Besitzveräusserungen führte. 1944 erfolgte die Abtrennung der Abtei von der Pfarrei M. 2007 zählte der Konvent 16 Schwestern, die der kirchl. Jurisdiktion des Abts von Wettingen-Mehrerau (seit 1854) unterstehen.


Literatur
HS III/3, 768-796
Kloster M., 1244-1994, 1994
– B. Anderes, Das Zisterzienserinnenkloster M., 2003

Autorin/Autor: Franz Xaver Bischof