13/11/2006 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Gnadental

Ehem. Zisterzienserinnenkloster auf dem Gebiet der Gem. Niederwil (AG), Bez. Bremgarten. Vor 1279 wohnten in Niederwil fromme, aber keinem Orden angehörende Frauen, die nach 1279 gesamthaft oder teilweise ins leer stehende Kloster vor Spalen in Basel zogen, das sie ebenfalls G. (vallis gratiarum) nannten. Vor dem 3.2.1282 lebten in G.-Niederwil wieder Beginen, deren Herkunft nicht gesichert ist, evtl. stammten sie aus der Samnung (religiöse Frauenvereinigung) Wettingen. Spätestens ab 1297 wurden sie in geistl. und ökonom. Belangen durch die Zisterzienser in Wettingen beraten, weshalb die Schwestern von da an auch nach den Zisterziensersatzungen lebten. Aber erst am 17.9.1394 verfügte das Generalkapitel des Ordens die Inkorporation des Klosters G., das nun zu einer Abtei wurde. In der Folge konnte diese Güter und Rechte in der Umgebung erwerben. Der Brand von 1432 und wahrscheinlich die Pest brachten das Kloster finanziell und personell in grosse Not. Die Reformationszeit überstand G. ohne Schwierigkeiten. Während der kath. Reform und in der Barockzeit erlebte das Kloster eine Blütezeit. Bereits vor 1700 jedoch folgte aufgrund ökonom. und polit. Wirren sein Niedergang, von dem es sich trotz auswärtiger Finanzhilfen nie mehr richtig erholte. Neueintritte wurden selten und ab 1761 gab es nur noch eine Priorin. Die Zeit von 1798 bis 1841 erlebte G. wie die anderen Klöster im Aargau: Nach der Klosteraufhebung von 1841 flohen die Nonnen ins Kloster Frauenthal (Gem. Cham), durften aber 1843 wieder zurückkehren. Am 16.5.1876 hob der Kt. Aargau das Kloster jedoch endgültig auf und verkaufte die Gebäude. Seit 1894 ist in G. eine Pflegeanstalt eingerichtet, die sich seit 1998 Reusspark nennt.


Literatur
Kdm AG 4, 1967, 304-329
HS III/3, 728-739; IX/2, 121-123
– L. Zenklusen, Das ehem. Zisterzienserinnenkloster Gnadenthal, 2002

Autorin/Autor: Anton Kottmann