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Kappel (Kloster)

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Ehem. Zisterzienserkloster, Gem. K. am Albis ZH. Diözese Konstanz. Mutterkloster: Hauterive (Altenryf). Linie von Clairvaux. 1185 erstmals urkundlich erwähnt (in loco Capelle). Marienpatrozinium. Aufhebung 1527. 1185 bestätigte Bf. Hermann II. von Konstanz die Stiftung des Klosters durch die Frh. von Eschenbach. Der Name leitete sich von einer Kapelle ab, bei der laut einer Gründungssage Eremiten gehaust haben sollen. Papst Innozenz III. verlieh dem Konvent 1211 das Privilegium commune Cisterciense. Vom 13. bis 15. Jh. erhielt K. mehrere kaiserl. und königl. Schutzprivilegien.

Anstelle einer Vorgängerin, von der sich Teile im heutigen Bau erhalten haben, entstand ab ca. 1255 die zu Beginn des 14. Jh. vollendete frühgot. Klosterkirche (got. Glasmalereien). Ältester Teil der übrigen Konventbauten ist der Kern des sog. Amtshauses, der 1209/10 vermutlich als Krankenhaus errichtet wurde (später Wohnung des Abts und des Priors).

Die geistige und wirtschaftl. Blütezeit dauerte bis zur Mitte des 14. Jh. Durch Schenkungen v.a. des Landadels (Hallwyl, Hünenberg, Bonstetten, Hinwil, Baldegg, Uerzlikon, Gessler, Habsburg-Laufenburg), Kauf und Tausch kam K. in den Besitz zahlreicher, in weitem Umkreis verstreuter Güter. Die Abtei betrieb in der Frühzeit eine ausgedehnte Eigenwirtschaft mit Hilfe von Konversen (Laienbrüdern) und förderte den Weinbau am Zürichsee (Grangie bzw. Klosterhof in Wollishofen) und im Zugerland. Das Konverseninstitut verschwand im 15. Jh., die Eigenwirtschaft beschränkte sich auf den klösterl. Bau- und Sennhof.

Wegen der Beteiligung Walters IV. von Eschenbach am Königsmord von 1308 wurden die Eschenbacher Besitzungen 1309 von den Habsburgern konfisziert und 1339 mit der Schirmvogtei an die Herren von Hallwyl verpfändet. 1344 und 1403 schloss K. je einen Burgrechtsvertrag mit Zug und Zürich ab. Zunehmend geriet es nun unter zürcher. Landeshoheit (ab 1473 direkte Beaufsichtigung der Klosterwirtschaft durch den Zürcher Rat). Im Alten Zürichkrieg plünderten die Eidgenossen das Kloster, dessen Mönche nach Zürich geflohen waren. 1493 schädigte ein Brand die Konventsgebäude. 1495 erwarb Zürich von den Herren von Hallwyl formell die Kastvogtei über K. Der letzte Abt, Wolfgang Joner (Rüpplin), berief 1523 Heinrich Bullinger als Hauslehrer nach K. In den folgenden Jahren wurde schrittweise die Reformation eingeführt. 1527 wurde das Kloster aufgehoben, seinen Besitz übernahm die Stadt Zürich.

Die Konventualen, die sich hauptsächlich aus bürgerl. und bäuerl. Schichten rekrutierten, teilten sich in die üblichen Klosterämter (Abt, Prior, Subprior, Grosskellner, Unterkellner, Baumeister, Küster, Kantor, Pförtner, Jahrzeiter, Kaplan). 1247 umfasste der Konvent 18 Mönche, davon 12 Priester, 1406 24 Priestermönche, 1482 15 und 1523 12 Mönche. Dem Kloster oblag die Betreuung der Zisterzienserinnenklöster Frauenthal und Tänikon. Mehrere Kirchen samt Patronatsrecht gelangten in den Besitz von K., so Beinwil (1239), Baar (1243, mit Filialen Menzingen, Hausen und Rossau), Rifferswil (1321), Neuheim (1363), Wiprechtswil (1368, heute Niederwil, Gem. Cham) und Merenschwand (1389). Papst Bonifaz IX. erlaubte K. 1400, die Seelsorge an diesen Kirchen und ihren Filialkapellen wahlweise mit eigenen Mönchen oder Weltpriestern zu besorgen. 1407 erwarb K. den Kirchensatz zu Kilchberg mit den Filialen Rüschlikon und Wollishofen, 1483 jenen von Oberrüti (bis 1498). Im Zusammenhang mit Grundeigentum verfügte K. an versch. Orten über niedergerichtl. Rechte, so in der engsten Umgebung in K., Scheuren und auf dem Hof Leematt, sodann in Uerzlikon, Beinwil, Blickensdorf, Rifferswil, Notikon (Höfe bei Deinikon, Gem. Baar), Wiprechtswil, Ebertswil und 1483-98 in Oberrüti. Es gelang indessen nie, ein zusammenhängendes Herrschaftsgebiet auszubilden. Nach der Reformation blieb K. bis zum Beginn des 19. Jh. eine zürcher. Staatsdomäne. Ab 1834 dienten die Gebäude sozialen Zwecken. Seit 1983 beherbergen sie das von der Evang.-ref. Landeskirche des Kt. Zürich getragene Haus der Stille und Besinnung.


Literatur
– O.P. Clavadetscher, Beitr. zur Gesch. der Zisterzienserabtei K. am Albis, 1946
HS III/3, 246-289
– H.R. Sennhauser, «Das Kloster K. im MA», in Zisterzienserbauten in der Schweiz 2, 1990, 85-126

Autorin/Autor: Magdalen Bless-Grabher