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Hauterive (Kloster)

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Zisterzienserabtei in einer Saaneschlaufe südwestlich von Freiburg in der polit. Gem. H. (FR), Diözese Lausanne. H. (dt. Altenryf) wurde zwischen 1132 und 1137 von Frh. Guillaume de Glâne gestiftet (gestorben 1143, Stiftergrab in der Klosterkirche). Nachdem dieser Mönche aus Cherlieu im Nordburgund berufen und das Kloster besiedelt hatte, wurde es mit Erlaubnis des Bf. von Lausanne (1137) am 25.2.1138 geweiht (Abbatia sancte Marie de Altaripa). 1142 erfolgte die Bestätigung durch Papst Innozenz II. Die durch den einheim. Adel und die Bf. von Lausanne geförderte Abtei stieg im 12. und frühen 13. Jh. zu wirtschaftl. und kultureller Blüte auf. Ab 1157 wurde sie von den Hzg. von Zähringen mit Schutz- und Zollbefreiungsprivilegien ausgestattet und war schon früh mit der Stadt Freiburg verbunden (Wollproduktion für die Stadt, ab 1182 Begräbnisrecht der Bürger in H., Stadthaus). Das Chartular von H. ("Liber donationum") sowie Bestätigungsbullen Innozenz' III. von 1198 und Innozenz' IV. von 1247 zeugen von einer ausgedehnten Eigenwirtschaft mit neun Rodungshöfen (Grangien) in den Voralpen (Milchwirtschaft), im Mittelland (Ackerbau) und am Genfersee (Weinbau). Ab dem 12. Jh. betrieb H. an Wasserkanälen mehrere Getreidemühlen, eine Walkmühle sowie im 15. Jh. auch eine Papiermühle (belegt 1445). Ende des 12. Jh. und Anfang des 13. Jh. zählte das Kloster 30-40 Mönche, von der Gründung bis Mitte des 13. Jh. rund 50 Konversen. Infolge des Rückgangs der Zahl der Laienbrüder wurden die Güter vom 14. Jh. an zunehmend verpachtet. 1185 besiedelten Mönche von H. die Abtei Kappel, ab 1261 war das Frauenkloster La Maigrauge bei Freiburg H. unterstellt. Von der Mitte des 12. Jh. bis ins 14. Jh. befand sich in H. ein bedeutendes Skriptorium; die Bibliothek erlitt durch Plünderungen und Brände, v.a. jenen von 1578, Verluste. Von der rom. Klosteranlage der Gründungszeit (Neubau um 1162 geweiht) sind Kreuzgang und Kirche als hervorragende Beispiele früher Zisterzienserarchitektur erhalten. Unter Abt Peter Rych (1320-28) wurde der Kreuzgang durch Masswerkfenster überhöht und die Kirche um den got. Chor mit einem sechsteiligen Masswerkfenster und Glasmalerei erweitert. Unter Abt Jean Philibert (1472-88) entstand das qualitativ hochstehende spätgot. Chorgestühl. Die Schirmvogtei über H. befand sich spätestens ab 1218 bei den Gf. von Neuenburg. 1299 wurde das Schirmrecht durch Kg. Albrecht I. von Habsburg den Gf. von Aarberg bestätigt, vor 1391 und endgültig 1452 gelangte es an Freiburg, mit dem H. ab 1341 verburgrechtet war. An der Seite Freiburgs erlitt die Abtei im Sempacherkrieg 1386-87 und im Savoyerkrieg 1448 durch bern. Plünderungen schwere Schäden. 1418 verlieh Papst Martin V. auf seiner Reise durch die Schweiz nach dem Konstanzer Konzil dem bedeutenden Abt Peter von Affry (1404-49) und seinen Nachfolgern die Pontifikalien. Zu dieser Zeit hatte sich die materielle Lage von H., das auch seine Spiritualität vernachlässigte, bereits verschlechtert.

Nach der Mitte des 16. Jh. nahm Freiburg im Geist der Tridentin. Reform die Erneuerung des darniederliegenden Klosters energisch an die Hand: Um 1562 erliess es Reformbestimmungen und setzte 1566 einen weltl. Administrator ein. Ausserdem wurde H. 1579 durch Nuntius Giovanni Francesco Bonomi visitiert. Als bedeutender Reformabt wirkte Guillaume Moënnat (1616-40), der die Frauenklöster La Maigrauge und La Fille-Dieu bei Romont reorganisierte. Ab 1618 war H. Mitglied der oberdt. Zisterzienserkongregation (ab 1624 Provinz Schweiz, Elsass, Breisgau, ab 1806 schweiz. Zisterzienserkongregation). Der barocke Neubau des Konventgebäudes wurde 1715 unter Abt Henri de Fivaz (1715-42) begonnen und 1770 unter Bernhard Emmanuel von Lenzburg (1761-95) vollendet. 1798 erfuhr die Abtei eine Schwächung, weil sie eine Kriegskontribution entrichten musste und die Grundherrschaft verlor. 1811 zählte H. noch zehn Priester und sechs Brüder. 1847, ein Jahr vor der Aufhebung der Abtei, waren es 16 Priester und zwei Brüder. Die Güter wurden 1848 säkularisiert, Archiv und Bibliothek, darunter der bedeutendste ma. Handschriftenbestand eines westschweiz. Klosters, nach Freiburg überführt. Ab 1850 belegte eine Landwirtschaftsschule, ab 1859 das kant. Lehrerseminar das Gebäude. 1939 wurde H. von Mönchen aus Wettingen-Mehrerau wieder besiedelt und 1973 als Abtei wieder errichtet (2003: acht Priester und 16 Brüder). Die Gebäude und die von Mönchen bewirtschafteten Güter befinden sich im Besitz einer öffentl.-rechtl. Stiftung. Die Mönche sind ausserdem hauptsächlich in der Betreuung von Gästen tätig.


Archive
– StAFR
– KUBF, Handschriftenslg.
Quellen
– J. Gumy, Regeste de l'abbaye de H., de l'ordre de Cîteaux, 1923
Liber donationum Altaeripae, hg. von E. Tremp, 1984
Literatur
– R. Pittet, L'abbaye d'H. au moyen age, 1934
– C. Waeber, H.: La construction d'une abbaye cistercienne au moyen age, 1976
HS III/3, 176-245
– E. Tremp, «Wie gründet man ein Zisterzienserkloster?», in ZSK 82, 1988, 115-158
– H. Schöpfer, «Zisterzienserkloster Altenryf/H.», in Zisterzienserbauten in der Schweiz 2, 1990, 57-83
– E. Tremp, Mönche als Pioniere, 1997 (22002)
Freiburger Kulturgüter 11, 1999

Autorin/Autor: Ernst Tremp