Hautcrêt

Ehemalige Zisterzienserabtei auf dem Gebiet der ehemaligen Gemeinde Tavernes, in der Gemeinde Oron VD. 1137 Sancta Maria Altecrescentis. Die Abtei H. wurde 1134 durch den Bf. von Lausanne Guy de Maligny gegründet, der sie der Abtei Cherlieu (Freigrafschaft) übertrug. Die Bf. von Lausanne übten die Gerichtsbarkeit über das Gebiet von H. aus und versuchten, die Güter des Klosters zu erweitern. Seit Gründung der Abtei gehörten die Herren von Blonay zu den weltl. Wohltätern von H. Der grösste Teil der Klostergüter bestand aus unbebautem Land, das Konverse urbar machten. Ab 1141 legten die Zisterzienser im Dézaley einen Weinberg an. Die wichtigsten Grangien (Eigenwirtschaften) von H., die bereits im 12. Jh. bestanden, lagen in den heutigen Kt. Waadt und Freiburg. Schon früh bestand ein Teil des Einkommens von H. aus dem Zehnten. Das Kloster erhielt weiter versch. Nutzungsrechte an Weiden und Wäldern, zudem war es in den Gebieten des Gf. Humbert III. von Maurienne sowie des Hzg. Berchtold IV. von Zähringen, Rektors von Burgund, vom Wegzoll befreit. Im 13. Jh. zeichneten sich andere Persönlichkeiten durch ihre Freigebigkeit aus, z.B. die Gf. Rudolf I. von Neuenburg-Nidau und Johann von Burgund. Die Schenkungen, die H. bis zum Ende des 12. Jh. erhielt, vermochten seine Existenz nicht zu sichern: 1218 stand H. knapp vor dem Ruin. Ein Brand in der 1. Hälfte des 14. Jh. verursachte enorme Wiederaufbaukosten. Die Abtei erholte sich unter Abt Johannes Coctini in den ersten Jahren des 15. Jh. Die Eroberung der Waadt durch die Berner 1536 setzte dem geistl. Leben in H. ein Ende. Die Konventsgebäude dienten von 1539 bis ca. 1554 als Spital und bis 1556 als Residenz des Landvogts. Dann wurden sie nicht mehr unterhalten und zerfielen. Die Grangien gingen in Form von Erbpacht grösstenteils in privaten Grundbesitz über.


Archive
– ACV, Fonds
Quellen
Le cartulaire de l'abbaye cistercienne de H. (fin XIIe siècle), hg. von A. Pahud et al., 2001
Literatur
HS III/3, 142-175

Autorin/Autor: Alexandre Pahud / MD