Bonmont (Kloster)

Zisterzienserabtei in der Gem. Chéserex VD, am Südfuss des Jura. Diözese Genf. Tochterkloster von Clairvaux (F). Gründung zwischen 1110 und 1120. 1123 de bonomonte. Patrozinium: Maria. Aufhebung 1536.

Die Abtei B. wurde im Zuge der grossen, im 11. Jh. beginnenden benediktin. Reformbewegung gegründet. Der genaue Zeitpunkt und die Umstände der Gründung sind unbekannt. Wahrsch. haben die Abteien in der savoy. Vallée d'Aulps und v.a. Balerne im franz. Jura in den Anfängen eine wichtige Rolle gespielt. Das älteste überlieferte Dokument ist eine Schenkungsurkunde der Herren von Divonne und Gingins aus dem Jahr 1131. Sie bezeugt, ohne nähere Angaben zu machen, die Gegenwart einer Mönchsgemeinschaft in B. bereits für 1123. Sicher ist, dass 1131, sechs Jahre nach einem Besuch Bernhards von Clairvaux in der Gegend, das Kloster sich dem Zisterzienserorden anschloss. Im selben Jahr wurde auch der Grundstein der Abteikirche gelegt; die Vollendung des Baus zog sich jedoch bis gegen Ende des 12. Jh. hin. Die Kirche, im Übergang von der Romanik zur Gotik entstanden, sollte nicht mehr sein als eine schmucklose Gebetsstätte. Ihre Architektur war einfach und nüchtern gehalten, gemäss den strikten Vorschriften der Benediktregel und gemäss dem Willen der Zisterzienser, alles Weltliche von ihren Klöstern fern zu halten. Dieses hohe geistl. Ideal hielt jedoch den weltl. Verführungen nicht lange stand. Zahlreiche Schenkungen vergrösserten den Besitz der Abtei im selben Masse wie ihre Verflechtung mit dem lokalen Adel zunahm. Das Gebiet, in dem B. Grundrechte und Einkünfte aus dem Acker- und dem Weinbau besass, erstreckte sich vom Fuss des Jura bis zur Côte und von Nyon bis nach Aubonne. Unter dem Schutz des Hauses Savoyen wurde B. im 13. Jh. eines der reichsten Klöster im Gebiet des Genfersees. Mit der Zulassung von Pfründnern und Kommendaräbten siegte endgültig der Eigennutz adliger Familien. Sichtbarer Ausdruck dieser schrittweisen Lockerung der ursprünglich zisterziens. Strenge ist die Ausschmückung der Kirche in lebhaften Farben ab dem 14. Jh.: Ockergelbe oder schwarze Blumenmotive und sogar vollständig neue Malereien setzten sich über das alte Gebot hinweg, wonach die Kirchen des Ordens im Innern nichts als einen einheitl. weissen Kalkputz haben durften. Hinzu kam eine bedeutende bauliche Veränderung: 1488 wurde der bescheidene Dachreiter durch einen wuchtigen Turm über der Vierung ersetzt.

Mit dem Beginn der Berner Herrschaft und der Einführung der Reformation wurde die Abtei 1536 säkularisiert. Die gewöhnl. Klostergebäude wandelte man, soweit sie nicht abgerissen wurden, in Landwirtschaftsgebäude um. Die Abteikirche wurde zur prakt. Nutzung sogleich unterteilt: Mittels eingezogener Holzböden schuf man im Hauptschiff der Kirche ein Weinlager und darüber einen Kornspeicher. Im nördl. Querschiff wurde eine Käserei eingerichtet, im südl. eine Bäckerei. Einzig unmittelbar unter dem Chorgewölbe blieb Raum für eine kleine Kapelle. Die ökonom. Denkweise der bern. Herren bewahrte die Kirche vor dem Abriss. 1761 wurde sie im Innern noch einmal völlig umgestaltet. Nur das alte Spital der Abtei erfüllte nach der Aufhebung des Klosters weiterhin seine alte Bestimmung, indem es bis 1672 zwölf Armen Platz bot. An seiner Stelle wurde 1736 ein neues Vogteischloss gebaut. Die Revolutionszeit änderte nichts an der Bestimmung der Gebäude. 1798 wurde B. Staatsbesitz, 1802 wieder privatisiert. Ab 1820 erlitt die Kirche einschneidendere Umgestaltungen als in den Jahrhunderten zuvor: Zwei neue Eingänge, einer in Spitzbogenform und einer in Rundbogenform, wurden in das fünfte Joch des südl. bzw. in das zweite Joch des nördl. Seitenschiffs gebrochen. Über der Bäckerei wurde eine zweistöckige Wohnung eingerichtet. Indes waren es gerade die Nutzungen der Kirche für profane Zwecke vom 16. bis zum 20. Jh., welche die Kirche vor Verfall oder Abriss gerettet haben. 1942 wurde die Kirche unter Denkmalschutz gestellt. 1982 ging sie in den Besitz des Kt. Waadt über, der eine sorgfältige Restauration 1995 zu Ende führte. Das bern. Vogteischloss und die Schlossdomäne sind in Privatbesitz geblieben.


Literatur
HS III/3, 87-127
B., 4 Bde., 1988-96

Autorin/Autor: Patrick-R. Monbaron / AW