11/11/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Lac de Joux

Ehem. Prämonstratenserabtei in der Gem. L'Abbaye (VD), in ihren Anfängen auch Domus Dei oder Abtei von Cuarnens genannt. L. wurde zwischen 1126 und 1134 auf Initiative von Bf. Barthélemy de Laon, einem Freund des hl. Norbert, und mit Hilfe seines Bruders Ebal von Grandson-La Sarraz gegründet und war eine Filiale des Klosters Saint-Martin in Laon (Picardie). Die Abtei war zuerst ein Doppelkloster für Chorherren und -frauen. Die Frauenkongregation wurde aber schon bald von den Männern getrennt und um 1141 in Rueyres (Gem. Chardonne) angesiedelt. Wegen territorialer und rechtl. Grenzstreitigkeiten gerieten die Chorherren von L. 1155 mit den Benediktinermönchen von Le Lieu und 1157 mit dem Kloster Saint Claude, mit dem diese verbunden waren, in Konflikt. Der jahrelange Streit zwischen den beiden Abteien endete 1204, als die Benediktiner gegen einen jährl. Zins auf den Besitz in Le Lieu verzichteten. Während des 12. und 13. Jh. wuchs das Klostergut von L. dank zahlreicher Schenkungen einzelner Gönner und insbesondere der Herren von Grandson-La Sarraz. Letztere setzten sich allmählich als Schirmherren und Kastvögte der Abtei durch, wobei sie im 14. Jh. Urkunden fälschten, um ihre Machtbefugnis zu festigen. 1324 geriet das Kloster in eine wirtschaftl. und geistige Krise und wurde von Abt Aymon de Montferrand-La Sarraz mit Billigung der Ordensoberen reformiert. Zahlreiche Zwischenfälle brachten Unruhe ins Klosterleben. 1488 griffen beispielsweise die Bewohner von Le Lieu den Abt Jean de Tornafol an und forderten die Befreiung von Abgaben und Pflichten. Die Abtei verschwand 1536 bei der Einführung der Reformation, ihr Besitz wurde säkularisiert. Klosterfilialen von L. waren Bellelay, Humilimont, Fontaine-André und (bis 1521) Gottstatt.


Literatur
HS IV/3, 451-493

Autorin/Autor: Claire Martinet / MF