Churwalden (Kloster)

Ehem. Prämonstratenserabtei (bis 1446 Propstei) in der Gem. C. GR. Filiale von Roggenburg (Bayern), Mutterkloster von St. Jakob im Prättigau, bis 1230 von Rüti (ZH), Zirkarie Schwaben. 1149 S. Maria in silva Augeria, 1191/96 Curwalde. Patrozinien: Maria und Michael. Um 1150 gegründet, wurde C. im Gefolge der Reformation aufgegeben und 1803/07 formell aufgehoben.

Die legendäre Gründung durch die Frh. von Vaz erscheint plausibel: Die Vazer traten als wichtigste Donatoren C.s auf, hatten ihre Grabstätte im Kloster, wie eine Grabung 1968 bestätigte, und bekleideten die Kastvogtei. Ihre Nachfolger waren die Gf. von Toggenburg bis 1436, danach bis 1466/70 die Gf. von Montfort, 1471-77 die von Matsch, ab 1477 Habsburg-Österreich. Der Kern des Stiftungsguts, die Marienkirche, stand indes bereits 1149 in Besitz von St. Luzi in Chur. Eine Rebellion der Laienbruderschaft soll 1208 zum Auszug des Propstes mit seinen Getreuen und zur Gründung der Propstei Rüti geführt haben. 1208 und 1311 sind in C. Kanonissen bezeugt. Die ihnen zugewiesene Kirche St. Maria und Nikolaus (13. Jh., Nachfolgerin der Marienkirche von 1149) wies zwei den Chor flankierende Türme auf, als Ruine bis ins 19. Jh. eine charakterist. Erscheinung. Ab 1210 besass C. ein Spital mit eigener Kapelle. Die Mitte des 13. Jh. für den Chorherrenkonvent 250 m nördl. der Marienkirche errichtete rom. Kirche St. Michael (später St. Maria und Michael) brannte 1472 nieder und wurde durch den 1502 geweihten, noch bestehenden spätgot. Hallenbau ersetzt; die Altäre sind mit süddt. Schreinretablen ausgestattet, Wandmalereien dem sog. Waltensburger Meister zuzuschreiben. Das daneben stehende, turmartige Abthaus stammt aus dem 15. Jh. 1527 erfolgte die Bevogtung und Beschlagnahmung von Räumlichkeiten der Abtei durch die teilweise zur Reformation übergetretene Gerichtsgemeinde C. In der Folge wurden dem Kloster die Güter entfremdet. Der Konvent schrumpfte bis 1536 auf einen Titularabt, der 1600 durch einen Administrator des Mutterklosters Roggenburg ersetzt wurde. Von diesem wurde auch die zunehmende Verschuldung getragen. Nach der Aufhebung Roggenburgs 1803 gelangten die verbliebenen Vermögenswerte C.s an das Priesterseminar St. Luzi und von diesem 1877 an die kath. Kirchgemeinde C.

Die Hofsiedlung im Churwaldnertal, oberhalb von Malix bis Parpan, geht auf vom Kloster geförderten Landesausbau im 13. Jh. zurück. Früher Besitz ist auch im Domleschg, Schanfigg und Churer Rheintal belegt, weniger bedeutender in Obervaz und im Albulatal. Vom grössten Teil der früh erworbenen Positionen in Unterrätien trennte sich C. bald. An seinem Standort betrieb das Kloster stets eine Eigenwirtschaft, in die auch Alpen einbezogen waren. Schwerpunkte des entlegeneren Besitzes bildeten die Meierhöfe (Grangien) in St. Margrethen (Chur), Maienfeld und Altenstadt (Feldkirch). Die äbt. Niedergerichtsbarkeit war vermutlich eine der Grundlagen für die Bildung der örtl. Gerichtsgemeinde. Um 1500 waren die meisten Höfe der Abtei bäuerl. Erblehen; noch einige Jahrzehnte zuvor hatte C. auch Schupflehen vergeben. Trotz anhaltender Bemühungen der Gotteshausleute um rechtl. Besserstellung hielten sich Reste der Leibherrschaft C.s bis in das frühe 16. Jh.


Literatur
– J.J. Simonet, Gesch. des Klosters C., 2 Bde., 1922-23
– N. Backmund, Monasticon Praemonstratense I/1, 1949, 55-57 (21983)
– F. Hitz, Die Prämonstratenserklöster C. und St. Jakob im Prättigau, 1992
HS IV/3, 271-329

Autorin/Autor: Florian Hitz