Ingenbohl (Schwesterninstitut)

Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Kreuz, polit. Gem. I. SZ. Diözese Chur. Seine Mitglieder werden Ingenbohler Schwestern oder Kreuzschwestern genannt. Das 1856 durch den Kapuziner Theodosius Florentini sowie Maria Theresia Scherer gegründete, international verbreitete kath. Schwesterninstitut päpstl. Rechts mit franziskan. Ausrichtung ist zivilrechtlich ein Verein (seit 1887 im Schwyzer Handelsregister eingetragen).

Als Protogründung gilt das von Menzinger Lehrschwestern übernommene Hilfsspital Planaterra in Chur, mit dem 1852 erbauten ersten Kreuzspital, dem Maria Theresia Scherer als Oberin vorstand. Ein bischöfl. Entscheid teilte das Institut 1856 in zwei Kongregationen und bestimmte für die Barmherzigen Schwestern vom Hl. Kreuz das Mutterhaus in I., wo 64 Schwestern einen Neuanfang wagten. Zur ersten Generaloberin wählten die Schwestern Maria Theresia Scherer. Der Zuwachs an Mitgliedern ermöglichte eine Ausweitung der Tätigkeiten in der Schweiz, in Österreich-Ungarn und Deutschland. Eine schwere Krise traf das Institut mit dem plötzl. Tod Florentinis 1865. Seine sozialorientierten Fabrikunternehmungen hinterliessen dem Institut hohe Schulden, die von der Gemeinschaft übernommen und getilgt wurden. Öffentl. Anerkennung wurde dem Institut durch die Pflege der Pocken- und Typhuskranken sowie die Lazarettdienste während der europ. Kriege des 19. Jh. zuteil. Das Institut zählte im Todesjahr der Mitgründerin (1888) 1'689, 25 Jahre später 3'964 Schwestern. 1904 schloss die Institutsleitung die seit 1858 in I. bestehende Krankenpflegeschule dem Verband des SRK an. Dessen vertragl. Verpflichtungen erfüllten während der beiden Weltkriege Hunderte von Krankenschwestern in Armeespitälern und bei Bahntransporten. 1944 wurde die Schule ins St. Claraspital Basel verlegt, 1952 eine zweite Krankenpflegeschule am Theodosianum Zürich eröffnet, die nach 1970 im Spital Limmattal in Schlieren weitergeführt wurde. Die Höhere Mädchenschule in I. entwickelte sich ab 1860 zum anerkannten Lehrerinnenseminar. Der Neubau von 1888, genannt Theresianum, wurde 1914-16 erweitert und 1965-80 für die bestehenden drei Seminarabteilungen, Gymnasium und Handelsmittelschule restauriert und durch Zusatzbauten ergänzt.

Das Institut übernimmt Aufgaben in Erziehung und Unterricht, im Gesundheitswesen, in der Sozial- und Pastoralarbeit, gemäss der Absicht der Gründer, jede Tätigkeit den Bedürfnissen der Zeit anzupassen, sei es in eigenen Einrichtungen oder in solchen anderer Rechtsträger. So unterhielt es 1947 in der Schweiz 60 Primar-, 15 Sekundar-, 76 Haushaltungs- resp. Handarbeits-, 5 Taubstummen- und 5 Mittelschulen. Der Krankenpflegebereich schloss 34 Spitäler, 64 Privatpflegestationen, ein Sanatorium und eine Psychiatr. Klinik ein. Die Jugendfürsorge umfasste 61 Kindergärten, 39 Kinder- und 4 Säuglingsheime sowie 2 Kindertagesstätten. Erwachsenenfürsorge wurde in 93 Bürger- und Altersheimen, 10 Mädchen- bzw. Damenheimen betrieben. Das Institut hatte 1941 mit 9'638 Schwestern einen Höchststand erreicht. Der Rückgang der Eintritte ab ca. 1960 führte allmählich zur Reduktion der bisherigen Aufgaben, neue kamen in Katechese, Seelsorge und Erwachsenenbildung hinzu.

Die Satzungen von 1860 hielten den internat. Charakter des Instituts bereits fest; sie bestimmen die Ausbreitung und innere Organisation. Provinzen und Vikariate mit voller bzw. halber Eigenständigkeit fassen die Gemeinschaften eines bestimmten Gebietes zusammen. Das Generalkapitel vertritt das gesamte Institut und wählt den Generalrat mit Sitz in I. als richtungsweisende und beschlussfassende Instanz mit ausserordentl. Leitungsfunktion. Das Institut zählte 2006 4'012 Mitglieder in 17 Provinzen und 4 Vikariaten: in der Schweiz, in zwölf Ländern Europas, in den USA, in Indien, Taiwan, Brasilien und Uganda. Das 1857 entstandene Mutterhaus in I. musste 1965-75 einem Neubau weichen. Dieser umfasst drei Wohn- und Verwaltungstrakte, ein Exerzitienhaus sowie die Klosterkirche mit der Krypta, der Grabkapelle von Mutter Maria Theresia Scherer.


Literatur
HS VIII/2, 184-212

Autorin/Autor: Renata Pia Venzin