Lausen

Polit. Gem. BL, Bezirk Liestal. Ursprüngl. Strassenzeilendorf, heute verstädtert, im mittleren Ergolztal südöstlich von Liestal gelegen. 1275 in villa et banno Langenso. 1850 804 Einw.; 1900 1'020; 1950 1'733; 2000 4'645. Der ältere Siedlungskern lag in der Flur Bettenach (1329 erw.) am rechten Ergolzufer; dort sind eine Wasserfassung für die röm. Wasserleitung nach Augusta Raurica, eine röm. Villa sowie eine frühma. Siedlung mit Grubenhäusern und einer Grabkapelle aus dem 6. Jh. nachgewiesen. Im 11. Jh. wurde an der Stelle der Grabkapelle die Pfarrkirche (Patroziniumswechsel zu St. Niklaus) errichtet, die wiederum Mitte des 15. Jh. einem Neubau (bedeutende spätgot. Wandmalereien aus dem oberrhein. Kunstkreis) mit Sigristenhaus und Scheune wich. Um 1200 wurde die Siedlung Bettenach aufgelassen. Der jüngere Siedlungskern am linken Ergolzufer umfasst das Unterdorf mit dem Mühlenkomplex (Getreidemühle ab 1318; Papiermühle, 1571-1983 betrieben, industriegeschichtl. Denkmal von nationaler Bedeutung) sowie das Oberdorf mit geschlossenen Häuserzeilen entlang der ehem. Landstrasse (ab dem 17. Jh.). Zu L. gehört der 1189 bezeugte Weiler Furlen. L. war im Besitz versch. Dienstadelsgeschlechter, ab 1305 hatte der Bf. von Basel die Gerichtsrechte inne. Um 1400 wurde L. mit der Stadt und Herrschaft Liestal an die Stadt Basel verkauft. Im 18. Jh. kam die Band- und Tuchweberei in Heimindustrie und Manufaktur in L. auf (1754 35 Bandstühle; 1786 62; 1856 101; 1908 15), im 19. Jh. die Industriekeramik (Huppererde-Vorkommen) und in der Nachkriegszeit die Uhrenindustrie. Seit 1858 verfügt die Gem. über einen Bahnanschluss. Nach 1930 nahm die Siedlungstätigkeit im Brühl und in der Weidmatt zu.


Literatur
Kdm BL 2, 1974, 142-179
– M. Mattmüller, Bevölkerungsgesch. der Schweiz, Tl. 1, 1987, 8-77
Heimatkunde L., 1997
– R. Marti, Zwischen Römerzeit und MA, 2 Bde., 2000

Autorin/Autor: Brigitte Frei-Heitz