24/01/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Lindau (ZH)

Polit. Gem. ZH, Bez. Pfäffikon, welche die westlich des unteren Kempttals gelegenen ehem. Zivilgem. L., Tagelswangen, Winterberg und Grafstal (mit Kemptthal) umfasst. 774 Lintauvia. 1467 ca. 125 Einw.; 1634 281; 1792 900; 1850 1'051; 1900 1'627; 1950 1'833; 2000 4'072.

Röm. Villa bei Eschikon (1.-2. Jh. n.Chr.). Die alemann. Besiedlung ist durch Schenkungen im 8. Jh. belegt. Im 10. Jh. verlor das Kloster St. Gallen viele Güter an das Kloster Einsiedeln, das bis 1798 das Niedergericht in Winterberg und Grafstal besass. Das Hoch- und Niedergericht über L. und Tagelswangen ging 1424 bzw. 1452 von den Habsburgern an Zürich über. Bis 1798 gehörte L. zur Landvogtei Kyburg. Das Gallus-Patrozinium der 1274 erw. Kirche in L. deutet auf eine frühmittelalterliche sankt-gall. Gründung; die Kollatur kam über die Kyburger und Habsburger 1429 an Zürich. 1711 erhielt die Kleinpfarrei nach der Abtrennung Tagelswangens, Winterbergs und Grafstals von der Pfarrei Illnau bedeutenden Zuwachs. Der Bau der heutigen Kirche erfolgte 1895-96. Die 1223 bezeugte St.-Blasius-Kapelle bei Winterberg, vermutlich eine Stiftung der Frh. von Winterberg, wurde 1306 vom Kloster Töss übernommen und wie die 1370 belegte Illnauer Filialkapelle in Tagelswangen um 1525 profaniert. 1927-28 wurde die kath. St.-Josephs-Kirche in Grafstal errichtet. Nach der Bildung der polit. Gem. L. (1798) behielten die vier Dorfschaften als Zivilgemeinden eine gewisse Selbstständigkeit. 1922 erfolgte die Umteilung des Bläsihofs von der Gem. Töss an L. Die 1841 neu angelegte Strasse Zürich-Winterthur verlagerte den Verkehr nach Tagelswangen. Seit 1855 besteht die Bahnstation in Kemptthal. Dort baute Julius Maggi ab den 1870er Jahren eine Nahrungsmittelfabrik auf, was 1888-1900 zu einer Zunahme von 500 Einwohnern führte. Als grösste Arbeitgeberin war die Maggi während des ganzen 20. Jh. der wirtschaftl. Rückhalt der Gemeinde. In den 1970er Jahren erlebte L., begünstigt durch den Anschluss an die A1 (1974), einen weiteren Entwicklungsschub. 1976 liess sich die kant. Landwirtschaftsschule in Eschikon nieder. In L. entstanden v.a. Einfamilienhäuser, in Tagelswangen, wo sich auch Industrie ansiedelte, v.a. Wohnblöcke.


Literatur
Kdm ZH 3, 1978, 108-114
– E. Honegger, Die Gem. L., 1986

Autorin/Autor: Ueli Müller