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Lütolf, Alois

geboren 23.7.1824 Gettnau, gestorben 8.4.1879 Luzern, kath., von Hergiswil (LU). Sohn des Aloys, Hammerschmieds, und der Katharina geb. Bucher. Besuch des Schwyzer Jesuitenkollegs und der kath. Lehranstalt in Luzern. Theol. Studien in Freiburg i.Br. und München. 1850 Priesterweihe in Solothurn. Nach einem Vikariat in Altishofen wurde L. 1852 Prof. für Geschichte und Geografie an der kath. Kantonsschule St. Gallen, 1856 Kuratpriester an der Sentikirche in Luzern. Er publizierte zahlreiche hist. und volkskundl. Beiträge vorwiegend im "Geschichtsfreund", 1859 die erste Monografie über "Die Schweizergarde in Rom [...] im 16. Jh.". 1862 erschien sein bekanntestes Werk: "Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten [...]". 1868 wurde L. Prof. an der Theol. Lehranstalt in Luzern. Er erwarb sich Verdienste um das im Aufbau befindl. "Idiotikon" und beendete Joseph Eutych Kopps monumentales Werk der "Geschichte der eidg. Bünde" (Bd. 5, Abt. 2, 1882 postum erschienen). L. gilt als Pionier der Sagenforschung in der Innerschweiz. Er ortete hinter den Sagen kaum hist., vielmehr teils mytholog. (Tell-Sage), teils psychopatholog. Elemente. In den hist. Werken war er einerseits der philolog.-krit. Methode seines Lehrers Kopp verpflichtet, über den er eine ausführl. Biografie schrieb, andererseits nahm er oft eine Mittelstellung zwischen romant. Traditionsgläubigkeit und hist. Positivismus ein. Dr. h.c. der Univ. Zürich 1874 und Tübingen 1877.


Literatur
– C. Hüppi, Alois L., Leben und Werk, 1961
NDB 15
Sagenerzähler und Sagensammler der Schweiz, hg. von R. Schenda, 1988, 309-330

Autorin/Autor: Claudio Hüppi