Konrad von Würzburg

geboren ca. 1230 wohl Würzburg, gestorben 31.8. (?)1287 Basel. ∞ Berchta. K. war ein anfänglich wohl wandernder Berufsdichter nicht adliger Herkunft, der nach literar. Tätigkeit in Strassburg und vermutlich an anderen Orten in den 1260er Jahren in Basel sesshaft wurde. Er besass ein Haus in der Spiegelgasse und arbeitete als Dichter im Dienst adliger Mäzene und evtl. in Verwaltungsfunktionen am bischöfl. Hof. Seine wichtigsten bekannten Auftraggeber der Basler Zeit waren Dietrich Am Ort für den Roman "Trojanerkrieg", Lüthold I. von Rötteln für die "Silvester"-Legende, Johannes von Arguel für die "Pantaleon"-Legende, Peter Schaler für den Roman "Partonopier und Meliur" sowie Heinrich Isenlin und Johannes von Bermeswil für die "Alexius"-Verslegende. Ausserdem schrieb K. für nicht mehr eruierbare Gönner die "Klage der Kunst", die weltl. Verserzählungen "Schwanritter", "Weltlohn", "Herzmäre" und "Ks. Otto und Heinrich von Kempten", den Marienpreis "Goldene Schmiede" sowie den Versroman "Engelhard". Hinzu kommen 23 Minnelieder und religiöse wie auch weltl. Spruchdichtung (ca 51 Strophen in sieben Tönen). K. schuf ein umfangreiches, inhaltlich und formal vielfältiges sowie sprachlich virtuoses lyrisches und episches Werk für ein städt. Adelspublikum. Er sah sich in der Fortsetzung der klassischen höf. Literatur, führte deren Tradition aber eigenständig weiter. Seine noch kaum erforschte Rezeption reicht - ablesbar an den Nachdrucken und der Verwendung von Spruchtönen im Meistersang - bis ins 17. Jh. hinein.


Literatur
– A. Moret, L'originalité de Conrad de Wurzbourg dans son poème "Partonopier und Meliur", 1933 (Nachdr. 1976)
VL 5, 272-304
– R. Brandt, K., 1987, (mit Werkverz.)
Das ritterl. Basel: zum 700. Todestag K.s, hg. von C. Schmid-Cadalbert, Ausstellungskat. Basel, 1987
Repertorium der Sangsprüche und Meisterlieder des 12. bis 18. Jh., Bd. 4, hg. von H. Brunner et al., 1988, 183-228
– H. Kokott, K.: ein Autor zwischen Auftrag und Autonomie, 1989
K. - seine Zeit, sein Werk, seine Wirkung, hg. von H. Brunner, 1989
– R. Brandt, K.: kleinere ep. Werke, 2000

Autorin/Autor: André Schnyder