• <b>Gottfried Keller</b><br>Imaginäre Landschaft mit Gewitterstimmung. Aquarell, wahrscheinlich 1842 in München entstanden (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv). Im Wanderer mit Studientasche und Feldstuhl, der seinen Malerschirm gegen ein bedrohliches, irreal blaues Wolkenfeld aufspannt und dem Lichteinbruch im Bildhintergrund entgegenschreitet, hat sich der als Landschaftsmaler ohne Erfolg gebliebene Keller selbst dargestellt. Das Aquarell entstand, kurz bevor er 1843 die Malerei als Berufsziel zugunsten der Schriftstellerei aufgab.
  • <b>Gottfried Keller</b><br>10-Franken-Banknote der Schweizerischen Nationalbank (Schweizerisches Nationalmuseum). Die Banknote mit Kellers Porträt war von 1956 bis 1980 im Umlauf.

No 32

Keller, Gottfried

geboren 19.7.1819 Zürich, gestorben 15.7.1890 Zürich, ref., von Glattfelden und Zürich. Sohn des Rudolf, Drechslermeisters, und der Elisabeth geb. Scheuchzer, Tochter eines Arztes, von Glattfelden. Cousin des Friedrich Scheuchzer. Ledig. Nach dem Tod des Vaters trat K. 1825 in die Armenschule in Zürich ein, 1831 wechselte er ins Landknabeninstitut auf der Stüssihofstatt, 1833 begann er die Kant. Industrieschule, von welcher er 1834 nach einem Disziplinarverfahren ausgeschlossen wurde. Er absolvierte eine Lehre als Vedutenmaler und nahm Privatunterricht im Aquarellieren. 1840 übersiedelte K. nach München, um sich zum Maler ausbilden zu lassen; er brach die Ausbildung ab und kehrte 1842 nach Zürich zurück. Politisiert im Vorfeld des Sonderbundskrieges, trat K. Mitte der 1840er Jahre erstmals mit polit. Lyrik an die Öffentlichkeit ("Sie kommen, die Jesuiten" 1844). Zu dieser Zeit pflegte er Kontakte zur dt. Emigrantenszene. 1848-50 hielt er sich zu Studienzwecken in Heidelberg auf, danach 1850-55 in Berlin. Er brachte den autobiografisch geprägten Bildungsroman "Der grüne Heinrich" (1854-55) zum Abschluss und arbeitete an versch. Novellenzyklen, darunter "Die Leute von Seldwyla" (1856). Nachdem er wieder in Zürich Wohnsitz genommen hatte, beteiligte er sich an der demokrat. Opposition gegen das sog. System Escher. K. machte Bekanntschaft mit Richard Wagner, Friedrich-Theodor Vischer und Gottfried Semper. Er betrieb eine rege publizist. Tätigkeit. 1861 wurde er zum ersten Staatsschreiber des Kt. Zürich gewählt. 1861-66 war er Mitglied des Gr. Rats. 1866 verlobte er sich mit Luise Scheidegger, die sich zwei Monate später das Leben nahm. Nach seinem Rücktritt als Staatsschreiber 1876 war K. als freier Schriftsteller tätig.

<b>Gottfried Keller</b><br>Imaginäre Landschaft mit Gewitterstimmung. Aquarell, wahrscheinlich 1842 in München entstanden (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).<BR/>Im Wanderer mit Studientasche und Feldstuhl, der seinen Malerschirm gegen ein bedrohliches, irreal blaues Wolkenfeld aufspannt und dem Lichteinbruch im Bildhintergrund entgegenschreitet, hat sich der als Landschaftsmaler ohne Erfolg gebliebene Keller selbst dargestellt. Das Aquarell entstand, kurz bevor er 1843 die Malerei als Berufsziel zugunsten der Schriftstellerei aufgab.<BR/>
Imaginäre Landschaft mit Gewitterstimmung. Aquarell, wahrscheinlich 1842 in München entstanden (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).
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Noch während seiner Amtszeit veröffentlichte K. die "Sieben Legenden" (1872), später erschienen die "Züricher Novellen" (1876-77), die stark überarbeitete Zweitfassung des "Grünen Heinrich" (1879-80), "Das Sinngedicht" (1881), die "Gesammelten Gedichte" (1883) sowie der Altersroman "Martin Salander" (1886). K. setzte sich in seinem Werk kritisch mit Fragen der Säkularisierung, der Nationenbildung und des Wirtschaftsliberalismus am Ende des 19. Jh. auseinander. Neben dem literar. Werk entstanden zahlreiche polit., literatur- und kunstkrit. Artikel sowie Gelegenheitsdichtungen. K. unterhielt eine umfangreiche Korrespondenz, mit Theodor Storm und Julius Rodenberg. Die Abrundung von K.s Schaffen erfolgte mit der zehnbändigen Ausgabe seiner "Gesammelten Werke" (1889). K., dessen Werk bestimmend ist für den Kanon des bürgerl. Realismus, gehört neben Jeremias Gotthelf und Conrad Ferdinand Meyer zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schweizer Autoren des 19. Jh. 1869 Dr. h.c. der Univ. Zürich.

<b>Gottfried Keller</b><br>10-Franken-Banknote der Schweizerischen Nationalbank (Schweizerisches Nationalmuseum).<BR/>Die Banknote mit Kellers Porträt war von 1956 bis 1980 im Umlauf.<BR/>
10-Franken-Banknote der Schweizerischen Nationalbank (Schweizerisches Nationalmuseum).
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Werke
Sämtl. Werke - Auf Grund des Nachlasses, 22 Bde., hg. von J. Fränkel, C. Helbling, 1926-48
Gesammelte Briefe in vier Bde., hg. von C. Helbing, 1950-54
Sämtl. Werke - Gottfried K., 7 Bde., hg. von T. Böning, G. Kaiser, 1985-96
Sämtl. Werke - Gottfried K., Hist.-krit. Ausg., 32 Bde., hg. von W. Morgenthaler et al., 1996-, (mit Einführungsbd.)
Archive
– ZBZ, Nachlass
Literatur
– A. Muschg, Gottfried K., 1977
– G. Kaiser, Gottfried K., 1981
Gottfried K., hg. von H. Wysling, 1990
– B. Weber, Gottfried K. Landschaftsmaler, 1990
Schön ist doch das Leben!, hg. von P. Goldammer, 2001
– U. H. Gerlach, Gottfried K. Bibel 1930-2000, 2003

Autorin/Autor: Ursula Amrein