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Kaufmann, Christoph

geboren 14.8.1753 Winterthur, gestorben 21.3.1795 Berthelsdorf bei Herrnhut (Oberlausitz), ref., von Oberwinterthur (heute Gem. Winterthur). Sohn des Christoph Adrian, Gerbermeisters, Spitalschreibers, Winterthurer Grossrats und Statthalters. ∞ 1778 Elise (Lisette) Ziegler. Nach rudimentärer Schulbildung 1767 Apothekerlehre in Bern. Ab 1774 als Apothekergehilfe in Strassburg, wo der von Jean-Jacques Rousseau begeisterte K. den reformpädagog. Strassburger Bruderbund gründete. 1775 Rückkehr in die Schweiz; er stand in Verbindung mit Isaak Iselin, Johann Kaspar Lavater und Johann Georg Schlosser in Emmendingen (Breisgau). 1776-77 Reise durch Deutschland. K. verkündigte die von Rousseau inspirierten Ideale des einfachen Lebens. Mit seinem unkonventionellen Aufzug machte er an Fürstenhöfen und bei führenden Intellektuellen (u.a. Johann Wolfgang von Goethe, Christoph Martin Wieland, Johann Gottfried Herder und Johann Georg Hamann) Furore. Um als einfacher Bauer zu leben, zog sich K. 1777 auf das Schloss Hegi, später nach Glarisegg zurück. 1781 studierte er in Breslau mehrere Monate Medizin (ohne Abschluss). Ab 1782 betätigte er sich als dilettierender Arzt in Gem. der Herrnhuter. K. wirkte nicht durch Schriften, sondern durch sein Auftreten als "Genieapostel"; er verkörperte die Ideale der jungen Generation, für die er selbst den Leitbegriff "Sturm und Drang" prägte (als Vorschlag für den Titel eines Dramas von Friedrich Maximilian Klinger).


Archive
– Archiv der Brüdergemeine Herrnhut
– StadtB Winterthur
Literatur
– W. Milch, Christoph K., 1932
NDB 11, 347-349

Autorin/Autor: Hans-Georg von Arburg