Bischofszell (Stift)

Weltl. Chorherrenstift St. Pelagius im Landstädtchen B. TG, Diözese Konstanz bis 1814, ab 1829 Diözese Basel. 1150 Praepositura S. Pelagii, 1221 Ecclesia Episcopaliscellae, ab Mitte 14. Jh. Stift zue Sant Pelayen. Vermutlich im 9. Jh. durch Bf. Salomo I. von Konstanz gegründet, ist die Propstei 1150 erstmals urkundlich erwähnt; 1798 wurde das Stift unter staatl. Verwaltung gestellt, 1852 aufgehoben.

Wirtschaftlich nie stark, besass B. die Grund- und Gerichtsherrschaft Gottshaus sowie einige Häuser in Konstanz. Um 1500 erlebten Stift und Schule, aus der die Humanisten Theodor Bibliander, Ludwig Hätzer und Ulrich Mutius hervorgingen, eine Blüte. 1529 traten viele Chorherren zum neuen Glauben über. 1531 erzwangen die kath. Orte die Restauration; 1535 wurde die Messe gegen den Widerstand der überwiegend ref. Bevölkerung wieder eingeführt. Die Stiftskirche, seit Beginn zugleich Pfarrkirche für B., wurde Simultankirche, die Pfarrpfründe mit den Reformierten geteilt. Die Pfarrei umfasste auch Hauptwil mit St. Pelagiberg, Neukirch an der Thur und Hohentannen, ab 1359 Sulgen mit Berg, Bürglen (verkauft 1585) und Heldswil. 1617 erhielten die Innerschweizer Stände vom Papst das Recht, Chorherren aus ihrem Gebiet einzusetzen. Ab 1632 stammte gut die Hälfte der Pröpste und Kapitularen aus der Innerschweiz. Als Niederstift völlig abhängig von Bischof und Domkapitel von Konstanz, hatte B. stets neun Pfründen unter der Leitung des Propstes, der Konstanzer Domherr sein musste und nicht in B. residierte. Eigentl. Leiter war ab dem 14. Jh. der Kustos, dessen Stellung 1632 erstarkte. Die ursprünglich nur für vermutlich drei Pfründen vorausgesetzte Priesterweihe wurde 1594 für alle Chorherren verlangt; ab Mitte des 17. Jh. wurde diese Forderung befolgt. Im 17. und 18. Jh. förderten die Chorherren die Rekatholisierung der Bevölkerung.


Literatur
HS II/2, 215-245

Autorin/Autor: Stefanie Spirig-Bülte