Paradies

Ehem. Klarissenkloster, polit. Gem. Schlatt TG, am südl. Ufer des Rheins, 4 km oberhalb von Schaffhausen gelegen, bis 1815 Diözese Konstanz, ab 1829 Basel, 1836 aufgehoben. 1253 conventui de Paradyso. Vor der Klostergründung bestand am Ort das Dorf Schwarzach (876 Swarza) und eine St. Peter geweihte Kirche. 1253 vergabte Gf. Hartmann IV. von Kyburg Besitz zu Lohn, Löhningen und Schwarzach sowie dessen Kirchenpatronat den Klarissen von St. Damian zu Konstanz. Da die Güterübertragung offenbar umstritten war, wurde die Stiftung Ende 1257 erneuert und die Nonnen erwarben von Friedrich von Randenburg den Besitz des Dorfs Schwarzach um 115 Mark Silber unter der Bedingung, daselbst ein Kloster zu bauen. 1310 wurde St. Peter ins Kloster inkorporiert und das Dorf ging im Kloster auf. 1330 erwarb P. in der Stadt Schaffhausen ein Haus, trat damit in deren Burgrecht ein und geriet allmählich unter städt. Verwaltung. Während der Reformation hob die Stadt Schaffhausen das Kloster auf. 1574 teilte die eidg. Tagsatzung dessen Rechte und Güter auf. Schaffhausen fand sich u.a. mit Lohn ab, P. wurde dem Stadtgericht Diessenhofen angegliedert. 1578 richteten die fünf kath. Orte das Kloster wieder ein, 1587 wurde es nach einem Brand wieder aufgebaut. 1799 musste P. erhebl. Verluste durch Kriegsschäden und Requisitionen hinnehmen. 1804-36 liess der Kt. Thurgau die Klöster P. und St. Katharinental gemeinsam verwalten und übergab nach der Klosteraufhebung die Kirche 1838 der kath. Kirchgemeinde P.; die Liegenschaften liess er versteigern. 1918 erwarb die Georg Fischer AG die Klostergebäude. Eine 1944 von ihr gegr. Stiftung baute seit 1948 die beeindruckende Eisenbibliothek auf. Die 1726 barock umgestaltete Klosterkirche wurde 2001-02 vollständig restauriert.


Archive
– PfarrA P.
– StASH
– StATG
– StiftsA Mehrerau
Literatur
– K. Schib, Gesch. des Klosters P., 1951
HS V/1, 587-600
– B. Ott, «Die Grundherrschaft des Klosters P. um 1330/1350», in SchBeitr. 60, 1983, 11-26
Kdm TG 5, 1992, 318-401
Ein Blick ins P., 2003, 11-75
Helvetia Franciscana 32, 2003, 9-33, 149-158

Autorin/Autor: Erich Trösch