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Reinach (BL)

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Polit. Gem. BL, Bez. Arlesheim. Ehem. Bachzeilendorf, zu Beginn des 21. Jh. Agglomerationsgemeinde Basels, am Schnittpunkt der Verbindungen Basel-Aesch-Birstal und Dornach-Therwil-Leimental. Zwischen 1168 und 1176 Rinacho. 1581 45 Häuser; 1722 64; 1815 558 Einw.; 1850 816; 1900 1'213; 1950 3'475; 1970 13'419; 2000 18'323. Ab dem Mesolithikum sind siedlungsgeschichtl. Spuren aus fast allen Epochen belegt, u.a. mittelsteinzeitl. Pfeileinsätze aus Silex und jungsteinzeitl. Silexwerkzeuge, Keramik und Urnengräber aus der späten Bronzezeit sowie eine kelt. Gehöftgruppe im Mausacker, die um die Zeitenwende einem Brand zum Opfer fiel. Danach entstand nördlich davon eine neue Siedlung im Stil eines röm. Gutshofs. Aus röm. Zeit (70-150 n.Chr.) stammen Urnengräber. Eine Vielzahl von Bodenfunden ab Ende des 6. Jh. lassen vermuten, dass auf dem Areal eines ehemaligen röm. Gutshofs im heutigen Dorfkern eine neue Siedlung entstand, die sich kontinuierlich zum ma. Dorf entwickelte. Neben Grubenhäusern (Webkellern) fand man auch vier Töpferöfen aus dem 7.-8. Jh., die mit den in Oberwil und Therwil gefundenen Öfen auf ein Töpfereizentrum im südl. Basler Hinterland schliessen lassen.

Im HochMA lagen die niedere und hohe Gerichtsbarkeit beim Bf. von Basel, der 1239 die Herrschaft Birseck kaufte und diese 1373-1435 an die Herren von Ramstein verpfändete. 1522-1792 gehörte R. zur Vogtei Birseck im Fürstbistum Basel, das Hochgericht übte der Vogt von Pfeffingen aus. Kirchlich war R. Teil der Pfarrei Pfeffingen, wurde 1511 selbstständig und trat 1525 durch einen Burgrechtsvertrag mit der Stadt Basel zum ref. Glauben über. 1595 wurde das Dorf vom Bischof rekatholisiert und der Pfarrei Arlesheim angeschlossen. 1631 erlangte R. erneut die Selbstständigkeit. Die Kollatur lag beim Bischof. Die 1336 erw. Kapelle mit Nikolauspatrozinium wurde 1511 Pfarrkirche. Sie erhielt bei der Rekatholisierung einen neuen Altar, eine Kanzel und ein Tabernakel. Im Dreissigjährigen Krieg erlitt sie schwere Beschädigungen, 1657 wurde sie neu errichtet sowie im 18. Jh. und um 1806 erweitert. Der heutige, 1962-64 renovierte Bau stammt von 1876.

Nach dem Ende der fürstbischöfl. Herrschaft 1792 und dem Zusammenbruch der Raurach. Republik 1793 kam R. zu Frankreich. 1793-1800 war das Dorf Hauptort des Kantons R. im Dep. Mont Terrible, gehörte 1800-15 zum Dep. Haut-Rhin und wurde 1815 auf dem Wiener Kongress dem Kt. Basel zugeteilt. Im Gegensatz zu den übrigen Dörfern des Birsecks trat R. nicht freiwillig dem Kt. Basel-Landschaft bei. Am 3.8.1833 wurde der Reinacher Gemeindepräsident Franz Feigenwinter von heimkehrenden basellandschaftl. Milizen erschossen und das Dorf verwüstet. Vier Tage später entsprach der Landrat dem Begehren R.s um Aufnahme in den Kt. Basel-Landschaft.

Ab 1724 verschafften das Salzdepot für die dt. Vogteien des Fürstbistums (vorher in Allschwil), die bis 1792 von der Fam. Goetz verwaltete Schaffnerei der Vogteien Birseck und Pfeffingen, die Postverteilstelle und die fürstbischöfl. Trotte dem Zoll- und Grenzort R. einen wirtschaftl. Aufschwung, wovon auch die in der 2. Hälfte des 18. Jh. geschaffenen Kunstwerke des einheim. Bildhauers Niklaus Kury zeugen. Ab 1738 bestanden mehrere kleine Ziegeleien und an den Birsufern wurden Kies und Sand abgebaut. Im 19. Jh. wurde nach und nach die Landwirtschaft modernisiert: 1820 wurde die Dreizelgenwirtschaft, 1841 der allg. Weidgang aufgehoben. Viehhaltung und Graswirtschaft verdrängten den Ackerbau. Ab 1855 entstanden Höfe ausserhalb der Siedlung, u.a. 1856 der Reinacherhof, 1906 der Predigerhof und 1908 der Erlenhof (heute Erziehungsheim). Die Industrialisierung blieb gering; um 1825-32 und 1872-1912 existierten Brauereien und 1887 entstand die Ziegelei Wenger & Koch (später Salathé, bis 1919). Mit der 1907 eröffneten Tramlinie Basel-R.-Aesch entstanden neue Quartiere (1925 Station Surbaum). In den 1960er und 70er Jahren erfuhr R. aufgrund ausgedehnter Bauzonen ein aussergewöhnl. Wachstum, das zu Infrastrukturproblemen führte (v.a. fehlender Schulraum). Die Neuansiedlung von Industrie und Gewerbe intensivierte sich in den 1950er Jahren und v.a. nach dem Anschluss R.s an das Nationalstrassennetz 1982, als sich vermehrt Gewerbe v.a. aus der graf. Branche sowie Fabrikationsbetriebe der Metallbearbeitung und des Maschinen- und Apparatebaus in R. niederliessen. 2005 stellte der 2. Sektor 35%, der 3. Sektor 64% der Arbeitsplätze in der Gemeinde. Rascher als in anderen Birsecker Gem. kam es zu konfessioneller Vermischung. 1952 wurde die ref. Kirchgemeinde gegründet und 1962-63 die von Ernst Gisel als kub. Betonbau konzipierte ref. Kirche errichtet. Das zur Stadt herangewachsene Dorf (1965 Stadtfest) versuchte, mit eigenem kulturellem Leben (u.a. 1958 Zunft zu Rebmessern, 1961 Dorfmuseum, 1969 Tierpark, 1975 Monatsmarkt) die Integration der Zuzüger zu fördern. Von regionaler Bedeutung sind das Wasserwerk R. und Umgebung (1921), die Grundwasserschutzzone im Auwald und das Naturschutzreservat Reinacher Heide.


Literatur
Kdm BL 1, 1969, 408-415
– J.E. Morf, «R. BL zwischen Dorf und Stadt», in Regio Basiliensis 11, 1970, 131-170
– H. Windler et al., R. BL, 1975
– A.R. Furger, Die ur- und frühgesch. Funde von R. BL, 1978
– R. Marti, «Bedeutende frühma. Siedlungsreste in R. BL», in ArS 13, 1990, 136-153
– D. Hagmann, R., 2006
– J. Tauber, «Ein "Scherbenteppich" der Hallstattzeit», in As. 29, 2006, 2-15

Autorin/Autor: Brigitta Strub