06/11/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken

Kyburg (Gemeinde)

Polit. Gem. ZH, Bez. Pfäffikon, die das auf einem Molassesporn über der Töss gelegene gleichnamige Dorf mit dem Schloss, die Weiler Ettenhausen, Billikon (teilweise) und Brünggen sowie die Fabriksiedlung Mühlau an der Töss umfasst. 1027 Chuigeburch. 1634 148 Einw.; 1771 296; 1850 374; 1900 358; 1950 386; 2000 396. Die Schenkung von Gütern in Brünggen an das Kloster St. Gallen 745 lässt eine alemann. Siedlung vermuten. Im Hoch- und SpätMA war Brünggen die Dingstätte der Kyburger Freien (Offnung 1433). Die 1027 erstmals erw. Feste war ursprünglich eine Fluchtburg ohne dazugehörende Siedlung. Nach der Niederlassung eines adligen Geschlechts entstand ein durch zwei Gräben geschützter Burgus (1261/64 erw.), der wahrscheinlich noch von den kyburgischen, sicher von den habsburg. Grafen eine städt. Organisationsform erhielt (1337 Steuerbefreiung, Beschränkung der Wehrpflicht, eigenes Niedergericht; 1370 Marktrecht). 1424 bzw. 1452 gelangte K. hoch- und niedergerichtlich an Zürich. Das Schloss wurde Sitz der grössten zürcher. Landvogtei; der Burgflecken konnte gewisse Vorrechte wie das Niedergericht und das Marktrecht bewahren. Nach grossen Zerstörungen im Alten Zürichkrieg entstand ein offenes Dorf mit bäuerl. Charakter. Die schon im 15. Jh. belegte Taverne profitierte vom Verkehr des Verwaltungsmittelpunktes (Steg über die Töss 1558/59 bezeugt, 1845-46 gedeckte Sprengwerkbrücke); 1671-1831 war die Landschreiberei (Fachwerkbau, im Wesentlichen 1788-93), bis 1867 das Notariat in K. ansässig. Die 1370 erw. Katharinenkapelle in der Burgsiedlung war eine Filiale Illnaus. Nachdem im 15. Jh. und 1515 mit Pfrundstiftung, Taufrecht und regelmässigen Gottesdiensten eine Verselbstständigung angebahnt worden war, bildete K. mit Brünggen, Ettenhausen und einem Teil von Billikon ab der Reformationszeit eine eigene Kirchgemeinde. Während der Zehnte beim Schaffhauser Kloster Allerheiligen (bzw. wegen der Klosteraufhebung beim Stand Schaffhausen) blieb, übernahm Zürich die Kollatur. 1798 verlor K. alle Privilegien; im Gebiet der Kirchgemeinde wurde eine polit. Gemeinde gebildet, die dem Distrikt Fehraltorf bzw. 1803 dem Bez. Uster zugeteilt wurde. In der Restauration war K. Sitz des gleichnamigen Oberamts; 1831 verlor es diese Funktion an den neuen Bezirkshauptort Pfäffikon. Das nun bedeutungslose und abgelegene Dorf bewahrte im 19. und 20. Jh. seinen bäuerl. Charakter; nur am Rand des Gemeindegebiets, im Wiesental und in der Mühlau, entstanden 1860-61 Spinnereien, die für Arbeitsplätze im industriellen Sektor sorgten. Der auf Winterthurer Gebiet gelegene Bahnhof Sennhof-K. an der Tösstalbahn wurde 1875 eröffnet, der Postkutschenkurs Effretikon-K. 1905. Anfang der 1990er Jahre setzte in Billikon, 2005-06 in Ettenhausen eine bescheidene Bautätigkeit ein. 2000 stellte der 1. Sektor noch gut einen Fünftel der Arbeitsplätze in der Gemeinde.


Literatur
– M. Sommer, Die Landvogtei K. im 18. Jh., 2 Tl., 1944-48
Kdm ZH 3, 1978, 141-200

Autorin/Autor: Ueli Müller