Rifferswil

Polit. Gem. ZH, Bez. Affoltern, westlich des Oberalbis am Jonenbach gelegen, bestehend aus den Ortsteilen Ober- und Niederrifferswil. Vor 1040 Rifriswil. 1634 263 Einw.; 1678 354; 1708 421; 1850 464; 1900 480; 1950 467; 2000 714. In Oberrifferswil wurde 1929 eine alemann. Begräbnisstätte aus dem 8. Jh. entdeckt. Im 12. und 13. Jh. war der Ort Sitz eines Rittergeschlechts; ob eine Burg in R. stand, ist nicht bekannt. Wichtige Grundherren waren die Klöster Kappel und Frauenthal. R. war neben Berikon regionaler Gerichtsort für das grafschaftl. Blutgericht. Nach der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen 1415 wurde das Freiamt, zu dem auch R. gehörte, zu einem Teil des Stadtstaats Zürich; nach 1512 gehörte R. zum Gerichtskreis Freiamt in der Landvogtei Knonau, und das Landgericht Berikon/R. verlor seine Bedeutung. Die Kirche in R. wird 1179 erstmals urkundlich erwähnt, war dem Hl. Martin geweiht und unterstand ab 1357 dem Kloster Kappel. Seit 1529 ist sie reformiert. Das heutige Schiff stammt aus dem 14. Jh. Die Kirche wurde 1720 erweitert und 1972-74 einer Gesamtrestauration unterzogen. Um 1800 waren in R. rund 200 Personen in der Baumwollverarbeitung in Heimarbeit beschäftigt. 1857 bauten Jakob und Theodor Bär in Oberrifferswil eine durch die Wasserkraft des Jonenbachs angetriebene Fabrik, eine Seidenzwirnerei; sie stellte den Betrieb 1879 wieder ein. Im Rifferswiler Moor wurde bereits im 18. und 19. Jh. Torf gestochen; 1918-20 wurde dort wegen des Zusammenbruchs der Kohleeinfuhr im grossen Stil Torf abgebaut. 1953 legte der Gärtnermeister Robert Seleger im Moor einen Rhododendren- und Azaleenpark an, der 1978 in eine Stiftung überführt wurde und heute zu den bedeutendsten Rhododendrenparks Europas zählt. R. hat seinen ländl. Charakter bis ins 21. Jh. gewahrt. 2005 stellte der 1. Sektor gut 31%, der 2. 36% der Arbeitsplätze in der Gemeinde.


Literatur
– H. Schweizer, R., 1997

Autorin/Autor: Christian Baertschi