05/08/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Pfanneregg

Das Kapuzinerinnenkloster P. in Wattwil SG ging auf eine Waldschwesternklause auf dem Hünersedel (Sedel) unweit des Schlosses Iberg zurück. Die nach franziskan. Drittordensregel lebenden Waldschwestern tauschten ihr Haus am stark frequentierten Verbindungsweg über den Rickenpass mit jenem von Waldbrüdern, die auf der anderen Seite der Thur auf der P. in einem Haus namens Bärenfels wohnten. Das Schwesternhaus P. wurde 1411 erstmals erwähnt, als der St. Galler Abt Kuno von Stoffeln den Schwestern die Hofstatt ihres Hauses zu Lehen gab und ihnen eine Hausordnung auferlegte. Während der St. Galler Abt das Patronatsrecht innehatte, unterstand der Konvent dem Visitationsrecht des Provinzials der Strassburger Barfüsserprovinz. 1525 traten 24 Schwestern, darunter zwei leibl. Schwestern Huldrych Zwinglis, zur Reformation über und wurden auf Anordnung des selbst anwesenden Reformators Zwingli ausgesteuert. Die acht altgäubigen Schwestern blieben in grosser Armut zurück. Nach der 2. Schlacht bei Kappel 1531 verbesserte sich die Lage der Katholiken im Toggenburg und die Existenz des Konvents war gesichert, wegen mangelnder Disziplin der Schwestern griff die Obrigkeit aber in der 2. Hälfte des 16. Jh. ein. 1579 ging das Visitationsrecht an die Abtei St. Gallen über. Die Frau Mutter Elisabeth Spitzlin leitete in ihrer Amtszeit 1574-1611 die Wende ein. 1586 begegnete sie in Einsiedeln dem Kapuziner Ludwig von Sachsen und liess sich zur Erneuerung des franziskan. Lebens bewegen. 1591 wurde der Konvent in ein Kapuzinerinnenkloster umgewandelt. Die sog. Reform von P. erfasste die meisten nach der Reformation verbliebenen franziskan. Terziarinnenklöster der Schweiz und strahlte bis nach Deutschland, Österreich und ins Elsass aus. Nach dem Brand von 1620 wurde 1621 nach tridentin. Normen ein neues Kloster auf der Wenkenrüti in Wattwil errichtet. 1726 wurde die strenge Klausur, 1771 die Ewige Anbetung eingeführt. Seit 1847 steht das heutige Kloster Wattwil unter der Visitation des Bf. von St. Gallen.


Literatur
HS V/1, 609-662; V/2, 1095-1103, 1123; IX/2, 578-588
– C. Schweizer, «Schwestern ohne Kapuze dennoch Kapuzinerinnen», in Helvetia Franciscana 37, 2008, 257-265

Autorin/Autor: Christian Schweizer