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Hildesheimer, Wolfgang

geboren 9.12.1916 Hamburg, gestorben 21.8.1991 Poschiavo, isr., Deutscher, ab 1982 Ehrenbürger von Poschiavo. Sohn des Arnold, Chemikers. ∞ 1952 Silvia Dillmann. 1933 Emigration nach Palästina, 1937-39 Stud. der Malerei und Bühnenbildnerei in London, 1939 Rückkehr nach Palästina, bis 1942 Englischlehrer in Tel Aviv, 1943-46 brit. Informationsoffizier, 1946-49 Dolmetscher an den Nürnberger Kriegsgerichtsprozessen, 1957 Übersiedlung nach Poschiavo. Ab 1952 schuf H. zahlreiche Hörspiele für das Radio ("Prinzessin Turandot" 1954). Als einer der wenigen dt. Autoren schrieb er Theaterstücke und Romane in der Tradition des absurden Theaters (Samuel Beckett, Eugène Ionesco), so "Tynset" (1965) und "Masante" (1973). Der Essay "Mozart" (1977) und "Marbot" (1981) sind Reflexionen über die Möglichkeiten der biograf. Darstellung, wie H. sie bereits in gewissen Texten des mehrfach aufgelegten Erstlingswerks "Lieblose Legenden" (1952) angestellt hatte. Zudem war H. als Übersetzer tätig (George Bernard Shaw, James Joyce). Ab 1983 verzichtete er auf die literar. Tätigkeit und wandte sich der Malerei zu. 1952 Preis der Gruppe 47, 1955 Hörspielpreis der Kriegsblinden, 1966 Georg-Büchner-Preis, 1991 Literaturpreis der Stadt Weilheim (Bayern). 1982 Dr. h.c. der Univ. Giessen.


Werke
Ges. Werke in sieben Bänden, hg. von C.L. Hart Nibbrig, V. Jehle, 1991
Briefe, hg. von S. Hildesheimer, D. Pleyer, 1999
Archive
– Archiv der Akademie der Künste, Berlin, Nachlass
Literatur
Über Wolfgang H., hg. von D. Rodewald, 1971
KLG
– V. Jehle, Scheiterndes. Kunst und Leben, 2003
– V. Jehle Wolfgang H. - Werkgesch., 2 Bde., 2003

Autorin/Autor: Rosmarie Zeller