23/06/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Aesch (BL)

Polit. Gem. BL, Bez. Arlesheim. Strassendorf am linken Birsufer, heute Agglomerationsgem. Basels. 1252 Esch. A. entstand am Verbindungsweg Birseck-Laufental über den Plattenpass und war im 18. Jh. Vogteisitz und Zollort. 1586 48 Häuser; 1771 655 Einw.; 1815 787; 1850 998; 1900 1'867; 1950 3'149; 2000 9'735.

1 - Vorrömische Zeit

Ein jungsteinzeitl. Dolmengrab (Typ A.-Schwörstadt, ca. 3. Jt. v.Chr.) im Gmeiniwald wurde 1907 entdeckt, 1907 und 1909 ausgegraben. In der zentralen, rechteckigen Grabkammer von 2,4 x 4,1 m, unter einem flachen Erdhügel von 9 m Durchmesser, fanden sich Skelettreste von 47 Individuen, darunter 14 Kindern, sowie etwas Leichenbrand. Beigaben waren Pfeil-, Speerspitzen und Messer aus Silex, Tierzahnanhänger, ein Schlegel aus Buntsandstein und Quarzit sowie Keramikfragmente.

1977 wurden an der Fluhstrasse mittelbronzezeitl. Siedlungsreste (1500-1300 v.Chr.) gefunden: eine Feuerstelle und Steinsetzungen, ein Hausgrundriss von 2,7 x 3,1 m sowie Topfscherben. Im Känelacker kam 1923 ein Metalldepot eines Giessers aus der beginnenden Spätbronzezeit (um 1300 v.Chr.) zum Vorschein: mehrere kupferne Gusskuchenstücke sowie zum Einschmelzen bestimmte Bronzefragmente wie eine Tüllenlanzenspitze (Spitze fragmentiert), zwei mittelständige Grifflappenbeile, div. teilweise verzierte Bleche und Sicheln. Spätbronzezeitl. Kulturschichten mit Keramik (1300-800 v.Chr.) fanden sich beim alten Tramdepot an der Hauptstrasse und an der Lerchenstrasse.

Autorin/Autor: Paul Gutzwiller

2 - Römische Zeit bis heute

Archäolog. nachgewiesen sind drei röm. Gutshöfe aus dem 1.-4. Jh. sowie Rebbau. Frühma. Gräberfelder liegen im Steinacker (7. Jh.) und in Saalbünten (Teile einer Kirche, verm. 8.-10. Jh.). Dieser Befund lässt an der Annahme Zweifel aufkommen, das Dorf A. sei aus dem im 12. Jh. fassbaren Dinghof entstanden, zu dem der Kirchensatz von Pfeffingen gehörte. Die 1292 erw., vor 1356 in Abgang geratene Burg Frohberg (gen. "Tschöpperli") war eine Gründung der Schaler. Als Teil der bischöfl. Vogtei Pfeffingen war A. vom 13. Jh. bis 1519 Erblehen der Gf. von Thierstein und stand danach bis 1792 unter Verwaltung des Pfeffinger Landvogts (1583-1792 Fam. von Blarer). 1566 wurde eine bischöfl. Ziegelscheune, 1611 eine neue bischöfl. Trotte erbaut. A. wurde 1702 Vogteisitz (Blarerschloss, 1604-07 erbaut, ehem. Herberge) und entwickelte sich nach dem Neubau der Angensteiner Brücke zum Zollort (1715 Zollhaus an der "Mugge"). Die Einw. waren nach Pfeffingen kirchgenössig. Ab 1672 besass das Dorf eine von der Fam. von Blarer gestiftete Kapelle (Josephspatrozinium, Wegkapelle schon im 16. Jh. erw.). Im SpätMA bestand in der Klus ein kleines Frauenkloster, zu dem nur dürftige schriftl. und archäolog. Hinweise bestehen.

Obwohl A. wie die ganze Vogtei Pfeffingen nicht mit der Stadt Basel verburgrechtet war, nahm es um 1529 den ref. Glauben an. 1582-88 stand das Dorf im Zentrum der letztl. erfolgreichen gegenreformator. Bemühungen des Basler Bf. Jakob Christoph Blarer von Wartensee. Infolge seiner Grenzlage erlitt A. mehrmals Plünderungen und Brandschatzungen, v.a. im Dreissigjährigen Krieg (1618-48); die hist. Bausubstanz ist daher bescheiden. Das Bauerndorf war dank fruchtbarer Böden, mildem Klima und Sonnenhängen vom Weinbau geprägt. Dessen Bedeutung spiegelte sich in der Handwerksstruktur: 1745 gab es sechs Küfer, und Landarme sowie Taglöhner verdingten sich bei den (Wein-)Bauern. Nach der kurzlebigen Raurach. Republik (1792-93) unterstand A. 1793-1815 franz. Herrschaft (1793-1800 Dep. Mont-Terrible, 1800-1815 Dep. Haut-Rhin), unter welcher es 1803 selbstständige Pfarrei wurde. 1819-20 erfolgte der Bau der Pfarrkirche St. Joseph (1938-39 Umbau). 1815 wurde A. wie das ganze Birseck dem Kt. Basel zugesprochen. In den 1830er Trennungswirren stellte A. polit. und militär. Anführer (u.a. Anton von Blarer), und 1830 erhob sich im Dorf ein Freiheitsbaum mit der Losung "Freiheit oder Tod". Bis ins 20. Jh. hinein behielt A. seinen vorwiegend agrar. Charakter (1881 Milchgenossenschaft, 1885 landwirtschaftl. Genossenschaft). Daneben bestanden Unternehmen wie die Seilerei Stoecklin (1865) und die Blech- und Metallwarenfabrik Vogel (1876). Dem starken Rückgang der Rebfläche von 34 (1846) auf 16 ha (1906) begegnete man mit Schädlingsbekämpfung (Reblaus), einer Weinbaugenossenschaft und Güterzusammenlegungen, so dass A. heute den grössten Anteil an Rebland in Basel-Landschaft stellt (1985 23 ha).

Trotz der Erschliessung durch die Jurabahn Basel-Delsberg (1875) und die Tramlinie Basel-A. (1907) erfolgte der industriell-gewerbl. Durchbruch in A. erst nach dem 2. Weltkrieg, als sich Betriebe der Metallverarbeitung, des Maschinenbaus und der Pharmaindustrie in den neuen Gewerbezonen ansiedelten. Die Birskorrektion erschloss 1970 weiteres Industrieland. Die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe ging von 88 (1929) über 21 (1980) auf 16 (1999) zurück. Das Bevölkerungswachstum führte zu reger Bautätigkeit (Neu-A., 1987 Siedlung Im Birspark). 1990 zählten 54% der Arbeitsplätze zum 2. Sektor, 74% der Erwerbstätigen waren Wegpendler. Das 1851 von der Gem. als Gemeinde- und Schulhaus ersteigerte Blarerschloss wurde 1959 zum modernen Verwaltungsgebäude renoviert. Die 1902 gegr. Darlehenskasse A.-Pfeffingen wurde 1974 zur Raiffeisenkasse. Seit 1928 besteht die Kreissekundarschule A.-Pfeffingen.

Autorin/Autor: Brigitta Strub

Quellen und Literatur

Literatur