• <b>Töss (Kloster)</b><br>Vogelschaubild des ehemaligen Klosters Töss. Zeichnung von  Ludwig Schulthess,   um 1837 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv). 1833–1834 verkaufte die Zürcher Regierung die Klosteranlage in Obertöss an den Industriellen Heinrich Rieter (1788–1851). Die mittelalterlichen Klostergebäude mit dem grossen Bilderzyklus im Kreuzgang waren trotz dreihundertjähriger Nutzung als Verwaltungssitz noch gut erhalten. Beim Aufbau der Maschinenfabrik Rieter wurden die Bauten zuerst zwecks industrieller Umnutzung verändert und später fast ausnahmslos abgebrochen.
  • <b>Töss (Kloster)</b><br>Spätmittelalterliches Wandgemälde im Kloster Töss. Nachzeichnung von  Johann Konrad Werdmüller,   um 1840 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv). 1461–1491 wurden ein neues Klausurgebäude und ein neuer Kreuzgang erstellt. Dort entstanden auf rund 160 m Wandfläche Bilderzyklen mit Szenen aus dem Neuen und dem Alten Testament. Die Hans Haggenberg zugeschriebenen Malereien aus der Zeit um 1490 gingen beim Abbruch des Kreuzgangs 1851 verloren. Sie sind v.a. durch Werdmüllers 27-teilige Dokumentation überliefert.

Töss (Kloster)

Ehem. Dominikanerinnenkloster in der polit. Gem. T. ZH. 1233 licentiam edificandi monasterium iuxta pontem Tusce in barrochia ecclesie. Patrozinium: Maria (vermutl. Verkündigung). Stifter des Klosters war Gf. Hartmann IV. von Kyburg. 1233 schenkte er einer Gemeinschaft frommer Frauen Hofstatt und Mühle bei der Tössbrücke. Im Dezember gleichen Jahres erfolgte die Bestätigung der Klostergründung durch den Konstanzer Bf. Heinrich von Tanne. 1235 bestätigte Papst Gregor IX. die Betreuung der Klostergemeinschaft durch das Predigerkloster Zürich. T. befolgte die Augustinerregel und übernahm die Verfassung des Strassburger Frauenklosters St. Marx. 1245 wurde es in den Dominikanerorden inkorporiert und unterstand nun dem Provinzial der Ordensprovinz Teutonia. Visitation, Beichte und Sakramentenspende sollten die Dominikaner, die tägl. Seelsorge Kapläne übernehmen. Das Kloster wurde als eigener Pfarreibezirk aus der Pfarrei Oberwinterthur herausgelöst.

<b>Töss (Kloster)</b><br>Vogelschaubild des ehemaligen Klosters Töss. Zeichnung von  Ludwig Schulthess,   um 1837 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).<BR/>1833–1834 verkaufte die Zürcher Regierung die Klosteranlage in Obertöss an den Industriellen Heinrich Rieter (1788–1851). Die mittelalterlichen Klostergebäude mit dem grossen Bilderzyklus im Kreuzgang waren trotz dreihundertjähriger Nutzung als Verwaltungssitz noch gut erhalten. Beim Aufbau der Maschinenfabrik Rieter wurden die Bauten zuerst zwecks industrieller Umnutzung verändert und später fast ausnahmslos abgebrochen.<BR/>
Vogelschaubild des ehemaligen Klosters Töss. Zeichnung von Ludwig Schulthess, um 1837 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).
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Stiftung und frühe Gütergeschichte werden neuerdings im Zusammenhang mit kyburg. Territorial- und Sicherungspolitik, namentlich gegen die Gf. von Neu-Rapperswil, gesehen. Dem Kloster wurden um 1250 Güter aus dem Besitz von Kyburger Ministerialen übertragen; weitere Einkünfte flossen u.a. aus Vergabungen von Angehörigen der Nonnen und von vermögenden Stadtbürgern. Mit dem wachsenden Vermögen konnten weitere Güter erworben werden. Das Kloster verfügte über Besitz und Einkünfte in rund 130 Ortschaften des Kt. Zürich sowie in den Städten Winterthur und Zürich. Schwerpunkte des Tösser Besitzes waren die benachbarte Region und Neunforn. 1265 erhielt T. das Patronatsrecht der Kirche von Neunforn (1291 inkorporiert). 1344 folgten die Kirche Dättlikon und 1358 jene von Veltheim bei Winterthur; ab Beginn des 14. Jh. gehörte zudem das Niedergericht in Dättlikon dem Kloster. Bis 1416 verwalteten Laienbrüder aus dem Orden den Besitz, danach angesehene Laien. Bis 1264 stand T. unter kyburg. Herrschaft, 1264-1424 und 1442-52 war es habsburgisch, 1424 kam es vorübergehend (bis 1442) und 1452 endgültig an die Stadt Zürich.

Im 14. Jh. lebten zeitweilig rund 100 Nonnen im Kloster. Unter ihnen figurierten zahlreiche Frauen aus landesherrl. Beamtenfamilien, aber auch Prinzessin Elisabeth von Ungarn. Das Kloster öffnete sich v.a. in der 1. Hälfte des 14. Jh. dem myst. Gedankengut. Die Tösser Nonne Elsbeth Stagel verfasste geistl. Schriften und vielleicht einen Teil des "Schwesternbuchs von T.". Trotz Reformbemühungen änderte sich Ende 15. Jh. das Regelverständnis. Die Aufhebung des Klosters war ein Prozess, der schon 1523 mit dem ersten Austritt von Frauen begann und 1525 mit der Abschaffung der Messe im Kloster seinen Abschluss fand; im gleichen Jahr bedrohte eine Bauernversammlung das Kloster, die Klostergüter wurden verstaatlicht und daraus das Amt T. geschaffen. Ein auf sechs Jahre gewählter Amtmann verwaltete die Güter. Die Einkünfte kamen hauptsächlich karitativen Werken zugute. Auch wurde damit die 1606 gegr. Schule unterstützt und die Pfarrbesoldung übernommen. Im 19. Jh. veräusserte die Regierung den Klosterbesitz.

<b>Töss (Kloster)</b><br>Spätmittelalterliches Wandgemälde im Kloster Töss. Nachzeichnung von  Johann Konrad Werdmüller,   um 1840 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).<BR/>1461–1491 wurden ein neues Klausurgebäude und ein neuer Kreuzgang erstellt. Dort entstanden auf rund 160 m Wandfläche Bilderzyklen mit Szenen aus dem Neuen und dem Alten Testament. Die Hans Haggenberg zugeschriebenen Malereien aus der Zeit um 1490 gingen beim Abbruch des Kreuzgangs 1851 verloren. Sie sind v.a. durch Werdmüllers 27-teilige Dokumentation überliefert.<BR/>
Spätmittelalterliches Wandgemälde im Kloster Töss. Nachzeichnung von Johann Konrad Werdmüller, um 1840 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).
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1240 weihte der Bf. von Konstanz eine bescheidene Kirche, 1268 der Gelehrte Albertus Magnus einige Altäre. Die Weihe von Hauptaltar und zwei Nebenaltären 1325 bildete vermutlich den Abschluss eines Neubaus. Der Klostertrakt wurde 1238-71 errichtet. Zwischen 1468 und 1491 erfolgten der Ausbau des Kreuzgangs und dessen reichhaltige Ausmalung, 1613 die Restaurierung der Gemälde. Rechtzeitig vor dem Abbruch des Kreuzgangs 1851 wurden die Bilder kopiert. Nach der Reformation dienten Teile der Kirche der Pfarrei, andere wurden einer profanen Nutzung zugeführt. Von 1854 bis zu ihrem Abbruch 1916 wurde die Kirche von der Firma Rieter als Fabrikgebäude genutzt.


Literatur
Kdm ZH 6, 1952
– M.-C. Däniker-Gysin, Gesch. des Dominikanerinnenklosters T., 1957
– E. Eugster, Adlige Territorialpolitik in der Ostschweiz, 1991
HS IV/5, 901-934
– R.H. Oehninger, Wir hatten eine selige Schwester..., 2 Bde., 2003
– C. Folini, Katharinental und T., 2007
– S. Volkart, Bilderwelt des SpätMA, 2011

Autorin/Autor: Alfred Häberle