• <b>Cazis (Kloster)</b><br>Begegnung der Heiligen Anna und Joachim an der Goldenen Pforte. Öl auf Holz, um 1525 (Schweizerisches Nationalmuseum, DEP-64.2). Der Altarflügel stammt aus der Klosterkirche Cazis. Eine Inschrift auf dem Sockel bezieht sich auf Klara von Reitnau, Äbtissin von 1508 bis 1528. Das Motiv wurde von einem Holzschnitt Albrecht Dürers aus dem Jahr 1504 übernommen.

Cazis (Kloster)

Zunächst Kanonissenstift, nach unsicheren frühen Regeltraditionen 1156 Einführung der Augustinerregel, seit 1647 Dominikanerinnenpriorat im Zentrum der gleichnamigen Bündner Gem. in der Nähe von Thusis. Diözese Chur. Anfang 9. Jh. Gaczes, Ende 9. Jh. Chazes, 926 Cacias. Patrozinium: Petrus (926) und Paulus (neuzeitlich).

Das älteste Frauenkloster und wohl die älteste klösterl. Stiftung im Bistum Chur überhaupt entstand um 700 als bischöfl. Gründung auf Kirchengut. Für die frühe Stiftsgeschichte ist ein Schwanken zwischen kanonikaler und monast. Verfassung anzunehmen. 1156 wurde das mittlerweile säkulare Stift von Bf. Adelgott wieder reguliert und der Aufsicht der Prämonstratenser von St. Luzi unterstellt. Diese übernahmen die Ernennung der Oberin, die Verwaltung und die Seelsorge. Die Massnahme bedeutete für C. indessen weder eine Inkorporation in St. Luzi noch die Einführung der Prämonstratenserstatuten. Vielmehr blieb das Kanonissenstift bischöfl. Eigenkloster und scheint sich schon im 13. Jh. wieder von der Leitung durch St. Luzi gelöst zu haben. Im späten 14. Jh. verfügten die Chorfrauen bereits wieder über Privateigentum. Die Ilanzer Artikel von 1526 führten mit ihrem Verbot der Novizenaufnahme zum Aussterben des Konvents, und nach dem Tod der letzten Äbtissin (1570) wurde das Stift vom Oberen Bund säkularisiert. Die während der Bündner Wirren z.Z. des Dreissigjährigen Krieges von der kath. Partei unternommenen Restitutionsbemühungen führten 1647 zur Niederlassung eines Dominikanerinnenkonvents. In der Folge hatten die Schwestern bis 1751 mit der Gerichtsgem. Thusis und der Nachbarschaft C. Rechtsstreitigkeiten über Vermögenswerte und Nutzungsrechte auszutragen. 1768 fielen Kloster und Kirche einem Brand weitgehend zum Opfer. 1855 eröffnete das Kloster ein Mädchenpensionat, allerdings von kurzzeitigem Bestand, 1955 eine Haushaltungsschule.

<b>Cazis (Kloster)</b><br>Begegnung der Heiligen Anna und Joachim an der Goldenen Pforte. Öl auf Holz, um 1525 (Schweizerisches Nationalmuseum, DEP-64.2).<BR/>Der Altarflügel stammt aus der Klosterkirche Cazis. Eine Inschrift auf dem Sockel bezieht sich auf Klara von Reitnau, Äbtissin von 1508 bis 1528. Das Motiv wurde von einem Holzschnitt Albrecht Dürers aus dem Jahr 1504 übernommen.<BR/>
Begegnung der Heiligen Anna und Joachim an der Goldenen Pforte. Öl auf Holz, um 1525 (Schweizerisches Nationalmuseum, DEP-64.2).
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Seinen Grundbesitz hatte das Stift v.a. am Heinzenberg (5 Grosshöfe), im Domleschg und im Safiental (13 Grosshöfe), ferner im Albulatal, Oberhalbstein und im Vinschgau. Das Abhängigkeitsverhältnis zum Churer Bischof hinderte C. an der Ausbildung einer eigenen klösterl. Immunität. Die Klostervogtei wurde vom bischöfl. Viztum im Domleschg wahrgenommen. Unter den ministerialen Geschlechtern, denen dieses Amt verliehen war, traten im 14. Jh. die von Schauenstein hervor (Grablege im Kloster). Eine gesonderte Verwaltung bestand für Safien: Die Gerichtsvogtei über diese Talschaft war vom Bischof als Teil der Grafschaft Schams den Frh. von Vaz (bzw. deren Erben) verliehen worden. 1396 ging sie nach Fehdehandlungen an die Frh. von Rhäzüns.

Im Zuge seiner Reformbestrebungen inkorporierte Bf. Adelgott 1156 dem Stift die beiden Kapellen St. Martin in C. und St. Alban auf Carschenna (Gem. Sils im Domleschg). Dabei löste er sie zugleich mit dem Kloster selbst von der Grosspfarrei Hochrialt (St. Johann auf Hohenrätien) und versah sie mit Pfarreirechten. Das Patronatsrecht von Hochrialt konnte C. dann 1359 vom Bischof gegen die Vinschgauer Güter eintauschen. Die Pfarreirechte von St. Martin gingen 1499 auf die damals neu errichtete Klosterkiche St. Peter über.

Während St. Martin sich noch heute als Rechtecksaal aus dem 7. oder 8. Jh. präsentiert, rührt der aktuelle Zustand der Pfarr- und Klosterkirche C. im Wesentlichen vom spätgot. Neubau her (vollendet 1504). Der urspr. Standort des Klosters dürfte sich nordwestl. vom heutigen, bei Claustra vedra, befunden haben. Anlass zur Verlegung gab wohl der Brand von 1369.


Quellen
– L. Joos, «Die beiden Safien-Urbare des Klosters C. von 1495 und 1502 im GemA von Safien-Platz», in BM, 1959, 277-332
Literatur
– W. Schubert, «Stud. zur Gesch. des Klosters C.», in BM, 1960, 198-225
– L. Blöchlinger, Das Dominikanerinnenkloster C., 1980
– U.P. Casutt et al., Gesch. der Pfarrei C., 1983
HS III/1, 253-256

Autorin/Autor: Florian Hitz