• <b>Sankt Petersinsel</b><br>"Die Weinlese". Kolorierte Aquatinta in Sepia aus Franz Sigmund Wagners Album "L'Ile de Saint-Pierre dite l'île de Rousseau", publiziert in Bern von  Lory und Rheiner,  1817 (Schweizerische Nationalbibliothek, Sammlung Gugelmann). Das Bild zeigt das ehemalige Kluniazenserpriorat, das spätere "Maison de Rousseau". Im Juli 1765 verliess Rousseau das im Val-de-Travers gelegene Môtiers und fand auf der Insel Zuflucht. Am 25. Oktober des gleichen Jahres musste er den Ort auf Befehl des bernischen Vogts von Nidau verlassen. Während seines Aufenthalts widmete er sich der Kontemplation und lebte bewusst in der Natur. Er beschrieb die St. Petersinsel in seinem "Fünften Spaziergang" im Werk "Träumereien eines einsamen Spaziergängers" (1782 Deutsch und Französisch). Sie erlangte europaweite Bekanntheit und wurde in der Romantik zu einem wichtigen Reiseziel, u.a. für Johann Wolfgang von Goethe oder die französische Kaiserin Josephine.

Sankt Petersinsel

Halbinsel (bis zur ersten Juragewässerkorrektion Insel) im Bielersee und ehem. Kloster, nach 1107 gegründet, 1484 aufgehoben, in der Gemeinde Twann-Tüscherz BE gelegen, Diözese Lausanne, Ordensprovinz Alemannia et Lothoringia. 1107 schenkte Gf. Wilhelm III. von Burgund und Mâcon der Abtei Cluny seinen Besitz in Bellmund und auf der "Insel der Grafen". Ein erstes Priorat entstand in Bellmund, wurde dann aber auf die - später nach dem Patron des Klosters benannte - S. verlegt, bevor Wilhelm IV. das Kind, Sohn Wilhelms III., am 10.2.1127 hier bestattet wurde (er war tags zuvor in Payerne ermordet worden). Neuere archäolog. Untersuchungen ergaben, dass diese Grablege in einer langen Tradition (merowing. Grablege, karoling. Holzkloster) stand, worauf auch der Name "Insel der Grafen" hindeutet. Die Klostervogtei ging von den Gf. von Burgund vielleicht über die Zähringer im 13. Jh. an die Gf. von Kyburg, in der 1. Hälfte des 14. Jh. zeitweise an die Gf. von Nidau und schliesslich Ende 14. Jh. an die Stadt Bern. In der 2. Hälfte des 15. Jh. wurde das Priorat auf der S. ungeachtet der versch. Ordenszugehörigkeit zu einer Art Dependenz der Benediktinerabtei Erlach. 1484 erfolgte die lnkorporation in das neu gegr. Kollegiatstift St. Vinzenz in Bern. Für die Prioratsgüter wurde eine eigene Schaffnerei in Nidau eingerichtet, die Insel wurde bis nach 1500 weiterhin von Erlach aus verwaltet und nach der Reformation dem Unteren Spital in Bern zugeschlagen, die Klosterkirche 1577 abgebrochen. Das Priorat hatte einen - allerdings kaum je erreichten - Sollbestand von fünf Mönchen. Dem entsprach eine relativ reiche Ausstattung mit Gütern v.a. am Südufer des Bielersees. Dazu kam das Präsentationsrecht der Kirche von Port mit der Kapelle in Bellmund.

Die Petersinsel befindet sich noch zu Beginn des 21. Jh. im Besitz der Burgergemeinde Bern. Das Hotel mit Restaurant in den ehem. Prioratsgebäuden, die Schiffsstation und ein Naturschutzgebiet machen die Insel zu einem beliebten Ausflugsziel.

<b>Sankt Petersinsel</b><br>"Die Weinlese". Kolorierte Aquatinta in Sepia aus Franz Sigmund Wagners Album "L'Ile de Saint-Pierre dite l'île de Rousseau", publiziert in Bern von  Lory und Rheiner,  1817 (Schweizerische Nationalbibliothek, Sammlung Gugelmann).<BR/>Das Bild zeigt das ehemalige Kluniazenserpriorat, das spätere "Maison de Rousseau". Im Juli 1765 verliess Rousseau das im Val-de-Travers gelegene Môtiers und fand auf der Insel Zuflucht. Am 25. Oktober des gleichen Jahres musste er den Ort auf Befehl des bernischen Vogts von Nidau verlassen. Während seines Aufenthalts widmete er sich der Kontemplation und lebte bewusst in der Natur. Er beschrieb die St. Petersinsel in seinem "Fünften Spaziergang" im Werk "Träumereien eines einsamen Spaziergängers" (1782 Deutsch und Französisch). Sie erlangte europaweite Bekanntheit und wurde in der Romantik zu einem wichtigen Reiseziel, u.a. für Johann Wolfgang von Goethe oder die französische Kaiserin Josephine.<BR/>
"Die Weinlese". Kolorierte Aquatinta in Sepia aus Franz Sigmund Wagners Album "L'Ile de Saint-Pierre dite l'île de Rousseau", publiziert in Bern von Lory und Rheiner, 1817 (Schweizerische Nationalbibliothek, Sammlung Gugelmann).
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Literatur
HS III/2, 707-729
– B. Piatti, Rousseaus Garten, 2001
– D. Gutscher, A. Moser, S., Kt. Bern, 20102

Autorin/Autor: Kathrin Utz Tremp