28/04/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken

Bettingen

Polit. Gem. BS. Ländl. Wohngemeinde der Agglomeration Basel, rechts des Rheins in erhöhter Lage am Fusse von St. Chrischona und an der Grenze zu Deutschland gelegen. 777 Bettingen. 1774 193 Einw.; 1850 279; 1900 490; 1950 553; 1970 1'062; 2000 1'151.

Paläolith. Faustkeil. Frühe Siedlungszeugen sind eine neolith. Freilandstation (Schafrain), bronzezeitl. Einzelfunde und ein frühma. Plattengrab (7./8. Jh.) bei der Kirche St. Chrischona. Der Hof B. wechselte Ende des 14. Jh. von den Edlen von Bärenfels zu den Truchsessen von Wolhusen, die vom Bf. von Basel mit der hohen Gerichtsbarkeit belehnt waren und im 15. Jh. die niedere Gerichtsbarkeit vom Basler Frauenkloster St. Clara übernahmen. 1513 erwarb die Stadt Basel B. und verwaltete es vorerst als eigenes Amt, ab 1627 im Amt Riehen. Die ausser- und oberhalb des Dorfes stehende Kirche (ältester Vorgängerbau um 700 mit Anbauten des 9. und 10. Jh., Neubauten: Westturm 1450/60, Chor 1503-09, Schiff 1513-16) ist 1353 als Filiale von Grenzach erwähnt. Das urspr. Brictiuspatrozinium wich im 14. Jh. jenem von St. Chrischona (Kult der hl. Christiana). Die Kirche wurde nach 1513 der Pfarrei Riehen unterstellt und verlor mit der Reformation ihre Bedeutung als Wallfahrtsort. Die Einwohner lebten vom Acker- und Weinbau, ergänzt durch Heimweberei (Leinen, im 18. Jh. Posamenten). In der Helvet. Republik gehörte B. zum Distrikt Basel, danach 1803-15 zum Distrikt Liestal. 1833 verblieb B. zusammen mit Riehen und Kleinhüningen als Teil des bis 1875 bestehenden sog. Landbezirks beim Kt. Basel-Stadt. 1840 entstand auf St. Chrischona (Chrischona-Gemeinden) die Missionsschule "Pilgermission", die sich zu einem Zentrum des Pietismus entwickelte. Das Projekt einer Chrischonabahn verlor sich im Verlauf des 1. Weltkriegs. Seit 1930 verbindet ein Busbetrieb B. mit Basel. Nach 1950 wandelte sich B. zur Wohngemeinde (v.a. Einfamilienhäuser) und zum beliebten Basler Naherholungsgebiet. 1962 nahm der Sender, 1984 der 250 m hohe Fernsehturm auf St. Chrischona den Betrieb auf.


Literatur
– L.E. Iselin, A. Bruckner, Gesch. des Dorfes B., 1963
– R. Moosbrugger-Leu, Die Chrischonakirche von B., 1985
– E. Richter, «Die hist. Beziehungen zwischen Grenzach und B. (Kt. Basel-Stadt)», in Das Markgräflerland 46, 1986, 82-89

Autorin/Autor: Brigitta Strub